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Mittelalterliche Fantasiewelt

Obwohl Gordons Roman "Der Medicus" 1987 wochenlang die Bestsellerliste anführte, wurde er erst jetzt von Philipp Stölzl verfilmt. Dabei musste der Regisseur die 850 Seiten lange Vorlage erheblich kürzen um die Stofffülle auf zweieinhalb Stunden Filmlänge unterzubringen. Dabei blieb vor allem von der langen Reise des jungen Bob Cole, der sich in Persien zum Arzt ausbilden lassen möchte, einiges auf der Strecke. Dennoch, wie Michael Ranze schreibt,  ein fast schon sinnlicher Abenteuerfilm.

veröffentlicht am 23.12.2013 um 14:27 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

ku
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Noah Gordons Buch „Der Medicus“ stand 1987 wochenlang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste und ging allein im deutschsprachigen Raum sechs Millionen Mal über die Ladentheke. Ein historischer Roman, in dem alles enthalten ist, was eine angenehm-flotte Lektüre ausmacht: Spannung und Abenteuer, Liebe und Dramatik, Tragik und Komik. Und natürlich auch Einsichten in das Leben im 11. Jahrhundert, sei es in Europa oder Persien, nicht zu vergessen Wissenswertes über die Anfänge der Medizin. Dass der Roman erst jetzt, mehr als 25 Jahre später, von Philipp Stölzl verfilmt wurde, verwundert angesichts der leinwandtauglichen Schauwerte. Doch nun ist der Film da, und das Warten hat sich gelohnt.
 Wer die Handlung noch nicht kennt: Rob Cole (Tom Payne) schließt sich im England des 11. Jahrhunderts einem sogenannten Bader (Stellan Skarsgard), also einem wandernden Heiler, an, um kranken Menschen zu helfen. Doch sein großer Traum ist es, ein richtiger Arzt zu werden, der zum Beispiel auch Blinddarmentzündungen, damals noch „Seitenkrankheit“ genannt, operieren oder einen grauen Star ausstechen kann. Und so macht er sich auf ins persische Isfahan, um bei dem berühmten Gelehrten Ibn Sina (Ben Kingsley), „dem Arzt aller Ärzte“, Medizin zu studieren. Er gibt sich als Jude aus, um nicht als Christ sogleich um sein Leben fürchten zu müssen. Doch das Studium ist hart, und die Machtverhältnisse in Persien sind kompliziert.
 Stölzl hat die 850 Seiten der Buchvorlage auf zweieinhalb Stunden Filmlänge heruntergebrochen. Kenner des Buches könnten deshalb enttäuscht sein, weil zum Beispiel die beschwerliche dreijährige Reise von England nach Persien in nur wenigen Einstellungen abgehandelt wird. Und doch ist dem Regisseur ein beeindruckender Film gelungen. Nicht nur, dass er die religionsphilosophischen Diskussionen über das Verhältnis zwischen Moslems und Christen sowie Moslems und Juden auffächert. Er entwirft auch eine mittelalterliche Fantasiewelt, die ebenso beeindruckend wie historisch akkurat ist. Ganz egal, ob die Szenen aus dem verarmten England oder die exotischen Kulissen Persiens, ob der rumpelige Pferdewagen des Baders oder die prächtigen Paläste in Isfahan – Stölzl und seine Mitarbeiter legen Wert auf eine detailfreudige Ausstattung und lebendige Kostüme. So entstand ein fast schon sinnlicher Abenteuerfilm, ebenso spannend wie romantisch.



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