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„Csárdásfürstin“ im ausverkauften Theater erntet viel Applaus

Mit Witz und Tempo

HAMELN. Ein heiter-verspielter Totentanz – und die „letzten Tage der Menschheit“ übermütig zelebriert. Wie Bäume sich noch einmal in schönster Blüte zeigen, bevor sie „leise Servus“ sagen, inszenierte sich die untergehende Donaumonarchie walzertanzend und csárdásselig. Zumindest im Hamelner Theater – in der Aufführung von Emmerich Kálmán „Csárdásfürstin“.

veröffentlicht am 11.05.2018 um 16:34 Uhr
aktualisiert am 11.05.2018 um 18:20 Uhr

Die unsterbliche „Csárdásfürstin“ brachte das Landestheater Detmold auf die Hamelner Bühne und begeisterte mit einer rasant-perfekten Inszenierung. Foto: Landestheater Lefebvre
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Autor

Richard Peter Reporter

Draußen Krieg – seit über einem Jahr – drinnen: die alte feudale Gesellschaft mit ihren „Mädis vom Chantant“. Und der alte Feri von Kerekes singt unbeeindruckt: „Dieses ganze Jammertal ist für mich ein Nachtlokal.“ Eine gespenstische Szenerie und Tanz auf dem Vulkan. Ein Bombenerfolg – während die Listen der heldenhaft Gefallenen immer länger werden. Und über allem der Friedenskaiser, dem „nichts erspart geblieben“ ist.

Und die „Csárdásfürstin“ geradezu unsterblich. Und immer noch und wieder triumphiert der „göttliche Idiotismus“ der Operette – und natürlich: die ewig dumme Liebe. Und diesmal auch das Landestheater Detmold, das Emmerich Kálmáns Meisterwerk mit seinem Melodienreichtum, aus dem ein Lloyd Webber locker zehn Musicals gebastelt hätte, liebevollst auf die Bühne brachte. Mit stupender Musikalität, manchmal auch ernst, meist verspielt, lustvoll, gekonnt, charmant vor allem und mit einem Ensemble, das bis in die kleinsten Partien brillant besetzt ist – und hinreißend bei Stimme.

Der Feri von Kerekes mit Andreas Jören schlicht von der Bühne zu küssen. So herrlich komödiantisch, der stimmlich vom Brustton der Überzeugung bis in die Kopfstimme alle Register zieht, schauspielerisch begeistert und hervorzuheben für alle anderen, auch für den Oberleutnant, dem hier zum General beförderten Rohnsdorff (Torsten Lück). Auch Fürst Leopold Maria (Michael Klein) und Fürstin Anhilte (Silke Dubilier), die so beeindruckend zeigt, wo ihre Wurzeln liegen.

Vor allem aber das Orchester unter Hye Ryung Lee, die Kálmáns Melodienreichtum noch einmal adelt, transparent macht, leicht, um dann sonor die Tutti spielen zu lassen, worauf sie tutti Anspruch haben, mit Tempowechseln, die sich so leicht anhören und Schmelz, der absolut nie schmalzig ist. Ein Orchester, vom ersten bis zum letzten Ton in Hochform.

Was für die kleinen Rollen gilt – auch für den Zigeunergeiger, der als Sinti oder Roma nie so geigen könnte, halten zu Gnaden – gilt doppelt für die Protagonisten, bei denen man Qualität sowieso erwartet. Zwei Paare vor allem, Julian Orlishausen als Edwin und die Sylva Varescu mit Eva Bernard, die als „Brettldiva“, zur „Csárdásfürstin“ aufsteigt – beide mit großen, präsenten und modulationsfähigen Stimmen – sowie das Buffo-Paar mit Roman Martin als Graf Boni. Allein seine Telefonate im 3. Akt eine einzige Wonne und kleine Kabinettstückerl, auch seine tänzerischen Einlagen und sein Spielwitz, dazu Simone Krampe als Komtesse Stasi – sie alle prachtvolle Komödianten mit Stimmen, die einen einlullen von „Machen wir’s den Schwalben nach“ über die „Tausend kleinen Engel“ und dem so melancholischen „Weißt du noch?“ bis zum Marsch-Ohrwurm „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ – und die als süße Mädels perfekt choreografiert von Richard Lowe.

Ganz großes Kompliment an Wolf Widder, als Regisseur mit allen theatralischen Wassern gewaschen. Der Dank des Publikums, den Wiener Untergangs-Adel einmal nicht in Jeans und Sneakers zu zeigen – dafür mit Witz, Tempo, auch Sentiment und einfach gekonnt, drückte sich auch deutlich im Applaus aus. Ausverkauftes Haus – und perfekt: Werbung für die Operette, die so, bei so viel liebevollem Engagement auch beim Chor und den Tänzerinnen, denen die Spielfreude aus den Gesichtern strahlt – sicher weiterhin unsterblich bleibt. Und hoffentlich im Spielplan.



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