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Frank Miller scheitert mit „The Spirit“ an seinem eigenen Anspruch

Mit visuellem Bombast gepatzt

Von Katharina Peter

veröffentlicht am 06.02.2009 um 12:24 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 12:21 Uhr

Bösewicht Octopus (Samuel L. Jackson).
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Er war das Mastermind hinter „Sin City“ und „300“ – nun legt Frank Miller mit „The Spirit“ seine erste eigene Regiearbeit vor. Warum? Niemand anders sollte den wegweisenden Comic „The Spirit“ aus den 40er Jahren von Millers Freund und Mentor Will Eisner verpfuschen. Jetzt hat ihn Miller vor lauter Ehrfurcht ein wenig verpfuscht.

Die Geschichte um den auferstandenen Cop Denny Colt, der als Spirit offenbar unsterblich ist und seine Stadt retten möchte, vermag Miller nicht so ins Kino der Gegenwart zu übersetzen, dass eine runde Sache dabei rauskommt. In ihren Ansätzen knüpft die Story an die überstilisierte Erzählweise der sogenannten Film-Noir-Detektiv-Geschichten an. So gibt es zwar visuell einige Höhepunkte in Anleihen an den Meilenstein „Sin City“, der sich auf die Farben Schwarz, Weiß und Knallrot beschränkt hatte. Doch die durchkomponierten Bilder passen oft nicht zum Inhalt. War doch Eisners Comic noch durchsetzt von dem trockenen Humor der 40er Jahre, versucht Miller zwischen grafischer Gewalt und visuellem Bombast auf Slapstick und die harmlosen Gags einer 50er-Jahre-Sitcom zu setzen.

Wenig auf Erzählkraft

der Bilder gesetzt

Hinzu kommt, dass „The Spirit“ nur wenig auf die Erzählkraft der Bilder setzt. Die Mischung sorgt zwar an der einen oder anderen Stelle für erfrischend originelle Szenen, wenn etwa Samuel L. Jackson als Schurke Octopus im Nazikostüm vor einem roten Vorhang während einer theatralischen Rede den Faden verliert und mit einem „Wo war ich doch gleich“ noch einmal ansetzt. Ansonsten sorgt der Film zwischen all der Unterhaltung mehrfach eher für abstruse Befremdung. Ist man sich doch manchmal nicht sicher, ob Miller es ernst meint oder gar seine eigenen Werke auf die Schippe nehmen möchte. Spaß macht „The Spirit“ dennoch – es gibt genügend Höhepunkte und bildschön in Szene gesetzte Schauspieler.

„Spirit“ ist täglich um 20.30 Uhr im Hamelner Maxx-Kino zu sehen, freitags und samstags auch um 23 Uhr.

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