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Atelierbesuch beim Künstler Werner Koch: Im Münster zeigt er seine Installation „Licht am Fluss“

Mit Schlagzeilen und Symbolen gegen die Zeit

Hameln. Vor dem Rolltor parken Tönsmeier-Container. Absperrband umarmt das Schild, auf dem „Wirtschaftshof“ zu lesen steht. Es sieht nach Baustelle aus. Dass sich hier, im Untergeschoss des ehemaligen Krankenhauses Wilhelmstraße, das Atelier des Hamelner Künstlers Werner Koch befindet, ahnt von außen kaum jemand. „Bestimmt schon seit zwei Jahren arbeite ich hier“, sagt Koch, als er durch die kahlen Flure führt. Kabel hängen von der Decke. Die Wände sind von unten bis oben gefliest. Weiß. Und manchmal gelb. „Abends ist das ein bisschen unheimlich hier“, gesteht der Künstler. Er geht den spärlich beleuchteten Flur entlang: links – rechts – links – und wieder rechts, dann ist er da. Warm ist es in seinen Räumen. Die Fenster sind mit Papier verklebt. Die Deckenlampen sehen nach Praxisräumen aus und leuchten sehr hell. Von draußen dringt Baulärm hinein.

veröffentlicht am 13.01.2012 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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An der Wand hängen sechs großformatige Bilder, die ab heute im Münster St. Bonifatius ausgestellt sein werden. „Insgesamt sind es aber zwölf“, sagt Koch und deutet auf sechs weitere, die daneben aufgereiht hängen. Sie sind jeweils 2 x 1,40 Meter groß und zeigen stark vergrößerte Zeitungsausschnitte. Russische, türkische, ägyptische, französische, englische, italienische und deutsche Zeitungen hat der Hamelner Künstler systematisch gelesen und „nach spannenden Ausschnitten“ durchsucht. Auch die Dewezet ist darunter. Etwa 30 internationale Zeitungen hat Koch durchgeschaut. Die spannenden Themen zu finden, „das ging eigentlich ganz schnell“, sagt er.

Auf seinem Werktisch liegen etliche Entwürfe der Bildreihe. Daneben Tesafilmrollen, ein mit Farbe beschmiertes Tuch, Stifte, ein Stativ. Packpapier nutzt Werner Koch als Malgrund. Auf Holzrahmen hat er es geklebt, dann mit Acrylfarbe weiß bestrichen. Er klopft mit den Fingern dagegen. „Darauf kann man nämlich besonders gut mit Ölstift malen …“ – „ …oder trommeln“, ergänzt seine Frau Gisela lächelnd. Das Papier enthält Zeitungstexte: Ausschnitte, Halbsätze, Wortfragmente. Wie „höpfun“, was „Schöpfung“ bedeuten könnte. Den Nachrichten aus dem Hier und Jetzt setzt Koch Jahrhunderte alte Symbole entgegen. Eine Ähre etwa, einen Altar, Kerzen, Weintrauben. Die Bilder, die anlässlich des 1200-jährigen Münsterjubiläums in dem Sakralbau ausgestellt werden, erzählen zugleich von Früher und Heute. „Timeless“ steht in Großbuchstaben auf dem weißen Sweatshirt des Künstlers, als wäre es das Motto seiner Arbeit. „Es geht mir auch um die Frage, wie viel Kirche im Alltag zu finden ist“, erläutert Koch einen Interpretationsansatz seiner Bilder. Überlappend – wie eine Zeitungsauslage am Kiosk – wird die collagenartige Malerei im Südschiff des Münsters zu sehen sein: 8 Meter breit und 2,65 Meter hoch.

Ihnen gegenüber, in den Blendarkaden der Nordseite, stehen fünf überlebensgroße Silhouetten. Aus Streckmetall und Gips sind sie gefertigt. Die Rahmen geben so den Blick frei auf jene Wand im Münster, an der einst Namen von Kriegsgefallenen aufgelistet waren. Sie deuten hin auf das alte Gemäuer, das so viel aus längst vergangener Zeit erzählen könnte. Sie akzentuieren die Vergangenheit, die durch sie hindurchscheint.

Am Sonntag, 15. Januar, wird nach dem 10-Uhr-Gottesdienst Werner Kochs „Licht am Fluss“ vorgestellt. Einführen in das Werk wird Dr. Philipp Reichling aus Duisburg. Kochs Installation wird bis zum 3. April im Münster St. Bonifatius zu sehen sein.



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