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Unterwegs mit Captain James Cook: Eine spektakuläre Ausstellung in Bonn

Mit Sauerkraut gegen Skorbut

Bonn. Heute schon auf Weltreise gegangen? Wie wäre es mit einem Abstecher nach Haiti? Oder auf einen Sprung nach Neuseeland? Vielleicht doch lieber nach Sibirien oder Nordamerika? Ist alles im Angebot einer spektakulären Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. Blau gestrichelte Linien auf dem Boden weisen den Weg. Früher oder später verirrt man sich doch, bleibt hängen beim Anblick einer grinsenden Götterfigur, dem Bildnis eines tätowierten Kriegers oder einem Gemälde, auf dem elegante Kanus und dickleibige Segelschiffe einander begegnen.

veröffentlicht am 01.09.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Stefan Stosch
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Auf den Spuren des Entdeckers

Es ist in Ordnung, den Weg zu verlassen: Schließlich folgen wir mit 230 Jahren Abstand einem Entdecker, der auch nicht wusste, was ihn erwartete. Wir bewegen uns auf den Spuren von Captain James Cook. Dreimal – 1768, 1772 und 1776 – segelte er los. Bis dahin war ein Drittel der Erde nicht kartiert. Erst durch ihn tauchten Neuseeland, Australien und die Südsee-Inseln auf dem Globus auf. Nur den sagenumwobenen Südkontinent, die Terra australis incognita, den er im Auftrag der britischen Admiralität in Besitz nehmen sollte, fand er nicht. Dafür aber vieles anderes.

„James Cook und die Entdeckung der Südsee“ heißt die Ausstellung. Rund 550 Objekte, die in mehr als 40 öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit verstreut lagerten, werden erstmals zusammengeführt. Nicht einmal in der Südsee sind heute solch aussagekräftige Kostbarkeiten zu finden – weil viele Gebrauchsgegenstände längst zerschlissen wurden und weil die Entdeckung der Völker auch den Anfang ihres Endes bedeutete. Beeindruckend sind nicht nur die Waffen, Kultobjekte oder der Schmuck in den Vitrinen: Auch die Gemälde der mitreisenden Maler wie William Hodges und John Webber geben präzise Kunde vom Leben auf der anderen Seite der Erde.

Einer der wichtigsten Leihgeber ist das Institut für Ethnologie in Göttingen. Die Entstehung der dortigen Sammlung beruht auch auf den „Mitbringseln“ von Johann Reinhold und Georg Forster. Vater und Sohn Forster begleiteten Cook auf dessen zweiter Reise. Sie brachten nicht nur Unmengen von Pflanzen und Tieren mit nach Hause, sondern auch andere Objekte jedweder Art. Gundolf Krüger, Kustos in Göttingen und Mitkurator der Bonner Schau, ist besonders stolz auf die Federskulptur des hawaiianischen Kriegsgottes Kuka’ilimoku oder auch auf ein prachtvolles Trauergewand aus Haiti, eine Robe aus Federn, Perlmuschel, Schildpatt und Rindenbaststoff. Nur Priester durften so etwas tragen.

Nach seiner Rückkehr schrieb Georg Forster seinen berühmt gewordenen Bericht über seine „Reise um die Welt“ und lobte Cook darin: „In einem gleichen Zeitraum hat niemand je die Grenzen unseres Wissens in gleichem Maße erweitert.“ Auch die Bonner Ausstellungsmacher rund um die Washingtoner Anthropologin Adrienne L. Kaeppler sehen Cook als Protagonisten der Aufklärung. Während andere in den europäischen Salons philosophierten, sammelte er ganz praktisch Wissen in der Welt.

Die Entfernung zur Sonne bestimmt

Auf vielen Gebieten arbeitete Cook am menschlichen Fortschritt: Er bekämpfte mit Tausenden Kilogramm Sauerkraut an Bord erfolgreich den tödlichen Skorbut bei seinen Matrosen, benutzte als Erster einen Chronometer und konnte so seine Position genau berechnen. Seine astronomischen Forschungen halfen, die Entfernung zur Sonne zu bestimmen, die Katalogisierung von Pflanzen und Tieren ließen Zweifel an der biblischen Schöpfungsgeschichte aufkeimen. Alexander von Humboldt und Charles Darwin führten auf ihren Weltreisen fort, was Cooks Naturkundler begonnen hatten.

Cook starb am 14. Februar 1779 in der Kealakekua-Bucht auf Hawaii. Er wurde bei einem Streit um ein gestohlenes Boot erstochen – mit einem der Eisendolche, die er mitgebracht hatte. Die Nachricht von seinem Tod traf erst elf Monate später in England ein.

Zu sehen bis zum 28. Februar 2010 in der Bundeskunsthalle Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4.

Das Federbildnis des hawaiianischen Friedensgottes Lono, 18. Jahrhundert. Foto: British Museum

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