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Jean Michel Jarre mit über zwei Stunden Elektrosound in der Volkswagenhalle Braunschweig

Mit Pomp: Der Louis XIV. des Elektronikpops

Braunschweig. Achtzig Millionen Tonträger, Konzerte vor Millionenpublikum auf schwimmenden Bühnen, im Space Center oder vor Pyramiden, Einträge in das Guinnessbuch der Rekorde – an Inszenierungsideen fehlt es dem Louis XIV des Elektronikpop, Jean Michel Jarre, nicht. Ebenso rekordträchtig wirkt der Technikpark, den der Franzose in der Braunschweiger Volkswagenhalle hat aufbauen lassen. Durch die Reihen der 3800 Zuschauer marschiert er mit seinen drei Mitmusikern ein, verweist in einer kurzen Ansprache auf die deutschen Wurzeln elektronischer Musik und begibt sich in seine elektronische Wagenburg. Über zwei Stunden wummert, fiept und blubbert es aus den Maschinen. Francis Rimbert und Dominique Perrier unterstützen den Meister beim Tastendrücken und Knöpfchendrehen, während Claude Samard allerlei Schlagwerk bedient.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

Jean Michel Jarre  Foto: jed

Autor:

Martin Jedicke
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Da schwillt ein künstlich generiertes Orchester bombastisch an und gesampelte Frauenstimmen erklingen, doch zu oft überdeckt der Pomp die Songidee. Auch die berühmte Laserharfe, bei der Jarre die senkrecht vor ihm aufsteigenden Strahlen durchbricht und Töne antriggert, steht eher für visuelle als für akustische Wirkung. Zwischen dem altertümlichen Theremin und HighTech-Geräten, Lichtdesign und Videoprojektion mag der Verstand Begeisterung signalisieren, das Herz wird kaum erreicht.

Ein archaisches Unterfangen in diesem Kontext, wenn Jarre, umhüllt von einem grünen Lichtkegel, Akkordeon spielt. Ob es die ständigen Lichtbäder sind oder eine Verkabelung mit einer der mysteriösen Maschinen, die Dame zur Linken hat Recht: Der 61-Jährige sieht halb so alt aus, wie er ist. Über zwei Stunden Elektrosound – Völlerei für die Ohren, für Jarre indes fast Minimalismus.

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