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„Der Skulptur auf der Spur“: Eg Witts „Armformer“ wird heute aufgestellt

Mit Pausbäckchen, langer Nase und einem Schlangenarm

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und was passiert, wenn sie einfach verschwinden? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor. Heute: Eg Witts „Armformer“.

veröffentlicht am 26.03.2012 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:41 Uhr

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Zwillinge hat nicht nur Ulrich Wickert. Zwillinge hat auch Eg Witt. Denn seine Eisenskulptur „Armformer“ ist alles andere als ein Einzelkind.

Von 1998 bis zum Bau der Stadtgalerie stand sie auf dem Pferdemarkt. Dann wurde sie auf dem städtischen Betriebshof untergebracht. Ehe dort im vergangenen Frühjahr festgestellt wurde: Die Skulptur ist verschwunden (wir berichteten). Klaus H. Steffens, damaliger Geschäftsführer des Energieversorgers Wesertal, hat der Stadt eine in seinem Eigentum befindliche Skulptur „Armformer“ gespendet. Heute Nachmittag wird sie auf dem Pferdemarkt aufgestellt.

Aber wer ist eigentlich der „Armformer“? Die Eisenskulptur ist 2,10 Meter groß und acht Zentner schwer. Auf den ersten Blick ein – abgesehen von seiner Größe – unscheinbarer Typ, eine Silhouette. Er nimmt keine auffällige Position ein, die Beine stehen parallel zueinander auf dem Sockel, die Körperhaltung ist gerade. Das an Mimik arme Gesicht – schmale Lippen, lange Nase, große Pausbäckchen, ausdruckslose Augen – ist in der Frontalansicht zu sehen. Den einen Arm lässt er hängen. Den anderen hebt er schützend über den Kopf. In einer Haltung, an der jegliche Nachahmer getrost scheitern werden. Vor 25 Jahren fertigte Eg Witt eine erste Zeichnung an. „Ich bin immer am rumkritzeln“, sagt der Künstler, der die Kritzelei ernstnimmt. Die Geste des über den Kopf gebeugten Arms sei zum „Schutz des eigenen Ichs“ gewesen, erklärt er. Durch die kuriose Geschichte des Diebstahls bekommt der „Armformer“, jener Schlangenmensch, für den Künstler eine andere Bedeutung. „Heute ist der Arm für mich nur noch ein Fensterrahmen, der sich aus verschiedenen Bauteilen zusammensetzt: Fleisch, Pflanze und Tier als ökologische Trinität.“

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Der überlange Unterarm nämlich erinnert an eine Schlange, die Hand des „Armformers“ verliert sich in der Andeutung eines Schlangenkopfes. Dieser menschliche Arm, so schrieb Peter Weber in seinem Aufsatz „Kombination und Verschmelzung“, sei „immer wieder aggressives Organ, das, mit Vorliebe durch den Einsatz eines spitzwinkligen Ellenbogens, seine Umwelt malträtiert“. Der „Armformer“, jene Metamorphose von Mensch und Tier, sei „Vision eines versöhnten Verhältnisses zwischen Mensch und Tier“. Das mythologische Erscheinungsbild kommt jedoch alles andere als aufdringlich daher. Witt betreibt figürliche Reduktion in höchstem Maße.

Die Realität menschlicher Lebensverhältnisse ist immer wieder Thema in Eg Witts Skulpturen. Der „Armformer“, von dem es in dieser Form sechs Exemplare gibt, wirft einen vernichtenden Blick aufs Leben. Hergestellt wurde er von einer Rintelner Maschinenbaufirma, mit einem Gasbrenner aus einer Stahlplatte herausgeschnitten. Weitere „Armformer“-Büsten sind in Eg Witts Skulpturengarten in Rinteln zu sehen. Neben etlichen Skulpturen im Bückeburger Raum ist seine Figurengruppe „Conditions“ an der Hamelner Wellhausenstraße zu sehen.

Lesen Sie im Online-Dossier auf dewezet.de alle veröffentlichten Texte der Reihe „Der Skulptur auf der Spur“ .

Seitlich der Skulptur hat der Künstler seinen Namen eingraviert. Der überlebensgroße „Armformer“ ist Teil einer Serie: Der Rintelner Künstler Eg Witt, Jahrgang 1943, hat den „Armformer“ in verschiedenen Variationen gemalt und aus Bronze oder Eisen gefertigt.

Heute morgen um 8 Uhr wird er in Rinteln abgeholt: der „Armformer“ aus Eisen. Er ist mehr als zwei Meter groß und acht Zentner schwer.

Fotos: tol



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