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Kurt Masur im voll besetzten Kuppelsaal

Mit Minimalgestik

Hannover. „Solange es Menschen gibt, die zuhören wollen“, möchte Kurt Masur, der am 18. Juli sein 85. Lebensjahr vollenden wird, noch ein Orchester leiten. „Mich hält das aktiv“, sagte er im Interview, „und ich bin froh, dass ich noch nicht stehen geblieben bin.“ Wahrlich: Stehen geblieben ist er nicht, sondern packt noch Neues an, und zuhören möchten ihm nach wie vor Tausende in aller Welt.

veröffentlicht am 06.02.2012 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Nun war er mit dem London Philharmonic Orchestra und Daniel Müller-Schott im voll besetzten Kuppelsaal zu erleben. Auch wenn ihm die Stufen, die zum Podium und von dort aufs Pult führen, sichtlich schwerfallen, hat er doch noch immer das körperliche und vor allem mentale Standvermögen, ohne helfenden Stuhl und Bruckner-Partitur einen langen Konzertabend nicht nur im Sinn des Wortes durchzustehen, sondern ihn in eine musikalische Sternstunde zu verwandeln.

Masur gehörte nie zu den mit raumgreifenden Bewegungen agierenden Dirigenten. Nun musste eine Minimalgestik genügen (und sie genügt!), um dem Solisten Daniel Müller-Schott zu Schumanns Cellokonzert eine stets stabile, stellenweise fast an Selbstaufgabe grenzende Zurückhaltung des Orchesterparts zu garantieren. Müller-Schott nutzte diese Basis. Er spielte das nach des Komponisten Meinung „durchaus heitere“, aber knifflige Stück in des Komponisten Sinn gelöst und zeichnete die wenigen süffigen Kantilenen mit schlankem Ton, der in den Spitzenlagen griffsicher tönte. Nach langem Beifall führte Müller-Schotts Zugabe in eine andere Welt, blieb aber mit Benjamin Brittens „Declamato“ aus der Suite Nr. 2 D-Dur in der Gefühlslage, in der Schumann zur Zeit der Komposition gewesen sein mag.

Dass Masurs Gestaltungskraft ungebrochen ist, wurde in seiner Interpretation der Siebten von Bruckner anschaulich und hörbar. Die klaren Abgrenzungen und Straffungen im wegen seiner Länge schwierigen ersten Satz und delikate Modellierungen von Klang und Dynamik erzeugten eine Dauerspannung, die das bei Bruckner schon mal aufkommende Empfinden von Längen ausschloss. Ein Konzert, das in der Erinnerung haften wird.

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