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Wandas fulminante Rock ’n’ Roll-Show im ausverkauften Capitol

Mit Marco in der Raucherkneipe

HANNOVER. Eins vorweg: Der Garagenpop der Vorgruppe Soeckers heizt mehr als passabel ein für die österreichischen Abräumer Wanda um den Songschreiber und Sänger Marco Michael Fitzthum. Und dann steht der, von dem alle die Rampensau erwarten, mit dem rechten Arm in Gips und Schlinge auf der Bühne. Die Befürchtungen sind unangebracht.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 17:01 Uhr

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Reporter

Bald ist die Schlinge abgestreift, die Schonhaltung aufgegeben. Fitzthum, Künstlername Marco Wanda, gestikuliert ohne Scheu, wirft Bierdosen ins durstige Publikum, schenkt in ihm entgegengestreckte Becher nach, trinkt selbst ein Bier und zündet sich eine Zigarette an. Marco mit 1600 Freunden in der Raucherkneipe. Da wird das Capitol ganz klein. Rauchen dürfen aber nur die auf der Bühne.

Fitzthum ist ein begnadeter Entertainer, schaut aus wie der Kumpel von nebenan. Nicht gerade fitnessgestählt, Bauchansatz unter dem T-Shirt. Kein stylisher Rockstar, eher Knuddelbär, der in den Graben steigt und fast alle Fans in der ersten Reihe umarmt.

Und was haben Wanda für Songs. Sie klingen schon auf Tonträger nach Livepräsenz. Und wer mit dem Hit „Bologna“ beginnen kann, muss nach erst drei Alben viele gute Lieder im Gepäck haben. Wie „Weiter, weiter“ oder „Meine beiden Schwestern“. Das Publikum singt nahezu geschlossen vom ersten Ton des Konzerts an lauthals mit. Von „Bussi Baby“ bis „Lascia mi fare“ – ein Mitgröler jagt den nächsten. Am Ende, bei „1, 2, 3, 4“, reicht ein kurzes Anzählen. Der Band bedürfte es gar nicht mehr. „Ich will den Knochen spüren“, ruft Fitzthum, klopft auf den Gipsarm und dirigiert den vielstimmigen Fan-Chor, der zu einem Brüllorkan anschwillt und in zurückgenommenem Flüstern abebbt. Als drehe er am Lautstärkeknopf eines Radios.

Aber Wanda können auch anders. „Ich will Schnaps“ weitet sich zu einem episch langen Songmonster aus, erhebt sich aus düsteren Keyboardschlieren und psychedelischen Gitarrensounds. Der Nebel wabert, gespenstische Schreie. Und dann, als die Schwaden sich verziehen, ein Streichertrio mit venezianischen Masken für einen folkpoppigen Teil mit Akustikgitarre.

„Amore“ steht zu Beginn in großen Lettern auf dem Vorhang, der fällt, als Wanda die Bühne entern. Und von der Liebe singt Fitzthum nicht nur in „Luzia“: „Weil du weiße Zähne hast, obwohl du ständig rauchst, ist der Thomas in dich verliebt und ich auch“. Er mahnt sein „Baby“ zur Dringlichkeit des Augenblicks im Angesicht des Todes. Vanitas zwischen Liebe, Bier und Zigarette. Doch in „Columbo“ schläft das Paar auf dem Sofa beim Fernsehen ein. Und dann, in „Ich sterbe“, steht die Einsamkeit vor der Tür. Einstweilen aber mögen Wanda das Leben preisen, den Rock ’n’ Roll zelebrieren und die Sehnsucht in eingängige Popsongs gießen. Auch wenn Fitzthums bisher so unverzichtbare ranzige Lederjacke zurzeit in einer Ausstellung hängt – fürs Museum sind Wanda noch zu jung.



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