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Mit Händel aus dem Barock in den Jazz

Hameln. Einer der Größen der deutschen Jazzszene, Rolf Zielke, hat es sich nicht nehmen lassen, zum 40jährigen Jubiläum des Albert-Einstein-Gamnasiums, wo er 1983 sein Abitur ablegte, mit dem Saxophonisten Jan von Klewitz und dem Percussionisten Topo Gioia, in der Aula der Schule ein Konzert zu geben. "Mit Händel aus dem Barock in den Jazz" schrieb unser Berichterstatter Wolfhard F. Truchseß und fand, dass der "große Beifall mehr als verdient war".

veröffentlicht am 15.07.2012 um 14:54 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:21 Uhr

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Von Wolfhard F. Truchseß

Hameln. Welch ein Glück für eine Schule, dass sie einen Ehemaligen hat, der zu den Größen der deutschen Jazz-Szene zählt und sich dafür bedankt, dass er das Jubiläumsfest seiner Schule bereichern darf und mit dem Saxofonisten Jan von Klewitz und dem argentinischen Percussionisten Topo Gioia gleich noch zwei exzellente Künstler aus Berlin mitbringt, um die Gründung des Albert-Einstein-Gymnasiums in Hameln vor 40 Jahren zu feiern. „Zielke & Friends“ waren die Akteure, die vor allem für etwa 150 Ehemalige, Eltern und Lehrer einen weiteren festlichen Höhepunkt in der Aula des AEG zelebrierten.
 Die Konzerte von Rolf Zielke haben in Hameln schon eine lange Tradition. Bereits als junger Mann trat Zielke, der 1983 auf dem AEG sein Abitur ablegte und danach an der Musikhochschule in Hannover studierte, in der alten „Sumpfblume“ am Güterbahnhof auf und gastierte seither mehrfach auf Konzerten seiner alten Schule. Auch Jan von Klewitz ist in der Rattenfängerstadt kein Unbekannter – im „Lalu“ präsentierte er bereits vor einiger Zeit sein fabelhaftes Können. Allein für Gioia, der in Berlin an der Hanns-Eissler-Hochschule Percussion lehrt, war sein Auftritt mit Zielke und von Klewitz eine Premiere für die Hamelner.
 Der Jazzpianist und Dozent Rolf Zielke ist einer jener Interpreten, die keinen Stillstand kennen, einer jener Musiker, die sich immer wieder neuen Projekten widmen. Mit von Klewitz und Gioia präsentierte er in großen Teilen des Abends Stücke aus seiner CD „Händel Jazz“, denn nach einer langen Zeit des Adaptierens südamerikanischer, afrikanischer und türkischer Klänge und Rhythmen suchte und fand Zielke auch in der deutschen Musikgeschichte und offenbar vor allem bei Händel „archaische Klänge“, die „ich jetzt mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf die Bühne bringe“, wie er während des Konzerts erläuterte.
 Dazu zählt auch die eindrucksvolle Bearbeitung alter Kirchenlieder, so wie beispielsweise des „Befiehl Du meine Wege“ von Paul Gerhardt nach der Melodie von Hans L. Hassler aus dem späten Mittelalter. Es sind wunderbare Klänge, die Zielke in diesen Bearbeitungen mit seinen Kollegen zu Gehör bringt, ohne – wie Jacques Loussier vor 50 Jahren mit „Play Bach“ – an der Oberfläche zu bleiben und reine Effekthascherei zu betreiben. Es sind teilweise sehr freie Assoziationen auf Arien aus den Händelopern „Tamerlano“, „Rinaldo“ und „Rodelinda“, die Zielke mit südamerikanischen Rhythmen harmonisiert hat; darunter die berühmte Arie „Lascia Ch’io Pianga“, die schon im Original einen ungeheuren Schmelz aufweist, dem von Klewitz mit seinem smoothigen und dennoch klaren Ton sehr nahe kommt.
 Jeder Einzelne präsentierte sich an diesem Abend mit verschiedensten Soli als brillanter Musiker, aber zum Genuss wurden die Klänge vor allem durch ihr geniales Zusammenspiel – rhythmisch perfekt und in der Themenführung absolut harmonisch. Dazu trugen natürlich die feine Technik des manchmal an Keith Jarrett erinnernden Pianisten, der gleichermaßen kraftvolle, aber ebenso sanfte und samtige Sound des Saxofonisten, dessen Stil von Paul Desmond ebenso wie von Jan Garbarek beeinflusst scheint, sowie die höchst dezente rhythmische und fantasievolle Begleitung durch Gioia bei.
 AEG-Schulleiter Wolfgang Weber dankte „Zielke & Friends“ am Ende des Konzerts für einen „genussvollen Abend“, zu dem auch die lockere Moderation des Hamelners beitrug, der seine Zuhörer sehr gekonnt auf eine spannende und doch kurzweilige Reise durch die musikalische Welt zwischen Oper und Jazz mitnahm. Großer Beifall war mehr als verdient.



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