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Musik der Renaissance und des Barock: Applaus wie Meeresrauschen für Musica Andretta

Mit Dowland die Seele gestreichelt

TÜNDERN. Die Dämmerung zieht über Tündern herein. Sommerabend im August, selten genug in diesem Jahr, nur letzte Strahlen noch. Die Sonne aber ist noch da, sie steht zwischen Altar und Auditorium, trägt ein samtrotes, langes Kleid und hat eine himmlische Stimme: Anette Herrmann ist Mezzosopran und verhilft an diesem Abend Juan Hidalgo, Antoine Boësset, Barbara Strozzi und anderen Größen der Renaissance und des Barock ins Hier und Heute.

veröffentlicht am 25.08.2017 um 15:21 Uhr

Ein Quintett, dessen Hingabe für die Musik der Renaissance und des Barock in jeder Sekunde zu spüren ist: Musica Andretta spielte in Tünderns Sankt-Christophorus-Kirche ein viel umjubeltes Konzert. Foto: Vanoli / pr

Autor:

Jens F. Meyer
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Vier Musiker ihr zur Seite; nicht allein die Sonne vermag also im Kirchlein knapp anderthalb Stunden zu verweilen, nein: Der ganze Himmel ist hier!

Immer wenn das Ensemble Musica Andretta ein Lied zum Ende bringt, sind die rund 80 Zuhörer entzückt. Applaus, immer wieder, nach jedem Titel; nicht gerade üblich bei klassischen Konzerten, fast ein wenig ungezogen. Andererseits wird das Quintett, bisweilen europaweit unterwegs, diesen Abend auf diese Weise in sehr guter Erinnerung behalten, denn so hingebungsvoll, wie es sein Programm „Stella Maris“ mit Harfe, Laute, Barockgitarre und anderen hymnischen Instrumenten (wer kennt denn schon ein Blasinstrument namens Zink?) durch das Gotteshaus strömen lässt, so warmherzig ist die Reaktion seines Publikums.

Nachgerade amüsiert kündigt Anette Herrmann manchen Titel an, und ja, es geht um Liebe und Enttäuschung, um Hoffnung und Verlangen, um die ganze große Chose, die die Menschen noch heute, ein halbes Jahrtausend später, beschäftigt und nicht klüger werden lässt. Daueraktuelle Seelenmassage. Mitreißend und in der Tat mit spanischem Feuer versehen: „El Baxel“, Meisterstück Gabriel Bataillés (1575-1630) und „Ay Amor“ von Hidalgo (1614-1685). Was die Fünf auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hameln auch spielen, sie spielen es mit großer Hingabe. Gut, da ist ein bisschen Wechselunruhe zwischen den Stücken. Harfe nach hinten, Harfe nach vorn, Geräume, Gerenne, Geräusper. Andererseits zeugen gerade diese Umstellungen von der Vielfalt der Musik – und der Musiker, heute wie damals! „L’eraclito Amoroso“ von Barbara Strozzis (1619-1677) ist reines Verlangen; ein Vergnügen für die Akteure. Ihre Abstimmung könnte besser nicht sein. Ulf Dressler und Simone Colavecchi, Lautenisten und Barockgitarristen, verschmelzen ineinander, stützen das Ensemble saitenleise, was erst recht in zarten Tönen sich zeigt wie bei John Dowlands „Lord Willoughby’s Welcome Home“. Und da ist Daniell Fourie, der es schafft, als Countertenor gleichzeitig auch Harfe zu spielen. Gibt’s nicht oft, gibt’s das zumindest in dieser Präzision überhaupt? Schließlich: Alexander Löwe, der den Zink spielt. Klanglich fast ein wenig gegen den Strich der anderen und gerade deshalb so stimmig eingegliedert.

Beifall wie Meeresrauschen für Musica Andretta. So zart und warm von schönstem Gefühl umhüllt wie Henry Purcells „My dearest, my fairest“ geht das Publikum gestreichelt nach Hause.



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