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Schriftsteller Jens Sparschuh spricht über ein Zuviel an Materie und über Ordnung / Am Sonntag Lesung in der Pfortmühle

Mit den Händen in den Hosentaschen gegen Konsum

Hameln. Für seinen jüngsten Roman „Im Kasten“ war Jens Sparschuh im Frühjahr für den Leipziger Buchpreis nominiert. Am Sonntag gastiert der Schriftsteller zur Lesung in Hameln: Bei der Matinee der Bibliotheksgesellschaft liest der Berliner Schriftsteller am kommenden Sonntag um 11.15 Uhr in der Pfortmühle aus seinem Roman.

veröffentlicht am 20.09.2012 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Herr Sparschuh, die Hauptfigur Ihres Romans „Im Kasten“, Hannes Felix, ist ein Ordnungsfetischist. Wie ordentlich sind Sie eigentlich?

Diese Frage …

… haben Sie vermutlich schon mal gehört.

Ja, oft. Und ich antworte dann, dass ich insofern ordentlich bin, dass ich immer finde, was ich suche. Es gibt sehr verschiedene Ordnungssysteme – und das habe ich aus meinem Roman gelernt – man muss sich nur in seinem eigenen System orientieren können.

Würden Sie also sagen, Sie sind durchschnittlich ordentlich?

Speziell ordentlich würde ich sagen.

Ordnung kann auch leicht zum Zwang werden. Wie sah denn die Recherche für Ihren Roman aus?

Selbstbeobachtung. Ich habe formale Logik studiert, das ist schon lange her. Dabei habe ich mich mit Ordnungssystemen beschäftigt. Wie schafft man es nur, Ordnung in die Welt zu bringen?, habe ich mich nun wieder gefragt. Denn egal, ob es die Steuererklärung ist – viele Leute haben komplexe Systeme, mit denen sie nicht klarkommen.

Inwiefern?

Man beobachtet an sich selbst, dass man in solchen Situationen widerrechtlich Abhilfe zu schaffen versucht. Man legt zum Beispiel auf dem Computer einen Ordner namens „Verschiedenes“ an. Denn dort hinein kann man alles schieben, was man nicht zuordnen kann.

Wie sieht es auf Ihrem Rechner aus?

Ich gebe mir Mühe, wenn ich einen Roman schreibe, jede einzelne Arbeitsstufe noch mal abzuspeichern. So lässt sich nachvollziehen, welche Bewegung der Text nimmt. Es hilft beim Weiterarbeiten.

Arbeiten Sie an Ihren Romanen kontinuierlich?

Meine Ordnung sieht so aus, dass ich am Morgen anfange, am liebsten mit Bleistift und Papier. Später schalte ich den Computer an, diesen Weltirrsinn, und tippe alles ab. Den Text drucke ich am Abend aus. Deswegen beginne ich am nächsten Morgen nicht vor dem weißen Blatt Papier, sondern träume mich langsam wieder in den Text hinein.

Wie sind eigentlich bei Ihren Lesungen die Reaktionen auf Ihre Hauptfigur Hannes Felix: Erkennen sich viele Menschen in ihm wieder?

Erstaunlicherweise ja. Wenn man nach dem Klappentext geht, denkt man, er sei eine schräge, abseitige Figur. Aber, oh Gott, das ist einer von uns. Und nebenbei bemerkt: Das Phänomen der Messies ist mittlerweile auch im Fernsehprogramm angekommen; bei „Kabel 1“ holt eine Moderatorin die Messies aus ihrer zugemüllten Wohnung.

Ja, das stimmt …

Da gibt es Menschen, die 120 Aldi-Tüten haben und sich von keiner trennen können. Es gibt einfach ein Zuviel an Materie, ein Zuviel an Angeboten. Und das richtet den Fokus auf ein zentrales Problem der Gesellschaft: Sie funktioniert nur, wenn sie immer weiter wächst. Auf der anderen Seite schwinden auf der Welt zusehends die Ressourcen.

Ihr Roman thematisiert ja diese Problematik der Konsumgesellschaft. Wie versuchen Sie, sich diesem Immer-Weiter und Immer-Mehr der Konsumgesellschaft zu widersetzen?

Wenn man die Hände in den Hosentaschen lässt, kann man keinen Vertrag unterschreiben. Dann passiert nämlich gar nichts. Wenn man es schafft, ein bisschen von der Seite darauf zu gucken, bleibt man davon fern. Es gibt ja jede Saison etwas Neues – und im Grunde ist es immer dasselbe. Als Autor kümmere ich mich gern um Bücher, die schon vor Längerem erschienen sind: Gogol oder Tschechow.

Und welches Buch liegt zurzeit auf Ihrem Nachttisch?

Dort steht nur ein Wasserglas, ich lese abends nicht im Bett. Aber auf meinem Arbeitstisch liegt von Vladimir Sorokin „Der Schneesturm“, ein ganz wichtiges Buch.

Lesen Sie das komplette Interview online.



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