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Kunsthalle Bielefeld zeigt Fujimotos futurospektive Architektur

Mit Bauten Glück erschaffen

Bielefeld. „In einem Haus zu wohnen, ist wie in einem Baum zu wohnen“, beschreibt der japanische Architekt Sou Fujimoto seine Vorstellungen von Architektur. Aufgebaut wie ein Wald sind auch knapp 120 Modelle und Skizzen in der Kunsthalle als ein Beitrag zum documenta-Kultursommer 2012.

veröffentlicht am 28.08.2012 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Claudia Guenther
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Spektakulär sind die Entwürfe des „Taiwan Tower“, mit denen er gerade den internationalen Designwettbewerb gewann. Sie zeigen das 300 Meter hohe Bauwerk mit bewaldeter Dachterrasse und Museum im Inneren so, wie es 2017 in Taichung stehen soll. Dem Modell, das aussieht wie lange, aufrecht aneinandergereihte Schaschlikspieße, sieht der Betrachter nicht sofort seine futuristischen Details an. Als Inspiration des neuen Wahrzeichens für die Stadt diente der taiwanesische Banyan-Baum.

Fujimoto lebt in Tokio. Seine theoretischen Schriften „Primitive Future“ und seine markanten, minimalistischen Bauwerke definieren Räume völlig neu. Wände sind Mangelware. In einem Wolkenkratzer sieht der 1971 in Hokkaido geborene Architekt eher „ein volumetrisches Gebiet und einen Garten denn ein Gebäude“. Er versucht, die Verbindung des Menschen zur Natur neu zu gestalten, „drinnen und draußen“ aufzuheben. Seine Intention: „Einen Raum weben. Die Aktivitäten der Menschen werden dabei mit eingewoben.“

Die keinesfalls barrierefreien Wohnhäuser über viele Ebenen, die in Japan auf kleinster Grundfläche entstehen, sind für ihn wie ein Baum, deren Treppen Äste symbolisieren und verschiedene Ebenen und Lebensräume eröffnen. Die horizontal unregelmäßig versetzten Plattformen von Tokios transparentem „House NA“ geben viel von ihren Bewohnern preis und gelten aus Sicht vieler Europäern als zu offenherzig.

Auf dem Außengelände der Kunsthalle steht das „Final Wooden House“, dem Original im Süden Japans 1:1 nachgebaut, für das Fujimoto 2009 den „Wallpaper Design Award“ erhielt. Äußerlich ein Kubus von 4,2 Metern, besteht es innen aus versetzten Zedernholzbalken mit Wohnhöhlencharakter – Möbel überflüssig. Einrichtung, Architektur, Stadt und Landschaft bilden für Fujimoto eine untrennbare Einheit. Er sagt: „Architektur ist ein fragiler Weg, Glück zu erschaffen.“

Die Ausstellung „Sou Fujimoto. Futurospektive Architektur“ ist bis Sonntag, 2. September, zu sehen in der Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5.

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