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Rapper Trauma beschert der Weserstadt eine neue Hymne / Song mit Potenzial zum lokalen Sommerhit

„Mi, Myself And I“: Eine Liebeserklärung an Minden

MINDEN. Die ostwestfälische Weserstadt freut sich: Sie hat eine neue Hymne, die noch dazu das Potenzial zum lokalen Sommerhit hat. „Mi, Myself And I“ ist eine vor Lokalkolorit nur so strotzende Liebeserklärung von Rapper David Stoebel alias Trauma an seine Heimatstadt Minden. Die Mindener und andere Musikfreunde danken es dem 39-Jährigen mit jeder Menge Klicks. Seit Montag ist der Song bei Youtube schon rund 8500 Mal, Tendenz steigend, angeklickt worden, macht bei Facebook die Runde und geht durch die lokalen Medien.

veröffentlicht am 14.06.2018 um 18:59 Uhr
aktualisiert am 15.06.2018 um 16:40 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Eigentlich habe er lediglich einen Song für die Mindener Hip-Hopper machen wollen, erzählt Trauma am Fuße des mächtigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Mindens Nachbarstadt Porta Westfalica im Gespräch mit der Dewezet. Die dritte und damit letzte Strophe des Liedes sei die erste gewesen, die er schrieb. In ihr huldigt er zahlreichen lokalen beziehungsweise lokal verwurzelten Rappern: Zero/Zero, Panorama, Mono & Benz, Jamen, Ayo & Sky, Curse, dem Klan, den Weser-Allstars, aber auch etwa DJ-Veteran Danny, Beatboxer Mazn und dem Produzenten-Team Hitnapperz. Die Hitnapperz haben mit der Fanta-4-Single „Zusammen“ unlängst den ARD-Fußball-WM-Song mitproduziert. Auch Traumas Soul inspiriertes „Mi, Myself And I“ haben die Gebrüder Schönebeck zusammengeschustert.

Die Idee hinter dem Song ist ein Hip-Hop-Urgedanke: Unity. In Minden sei Hip-Hop zwar schon immer stark vertreten gewesen, aber der Zusammenhalt bleibe dabei leider häufig auf der Strecke, sagt Trauma, während ein Kleinflugzeug quasi auf Augenhöhe am Kaiser-Wilhelm-Denkmal vorbeiknattert. Der Song ist somit auch ein Plädoyer für mehr Miteinander. Er feiere jedenfalls alle Mindener Hip-Hop-Künstler.

Doch im Laufe des Schreibens wuchs der Song über eine bloße Würdigung der lokalen Hip-Hop-Szene hinaus. Neben bestimmten einschlägigen Clubs, Bars, Imbissen und Restaurants lässt Trauma auch den „Weserspucker“ – die Wasser speiende Bronzefigur von Bildhauer Theodor Henke in der Bäckerstraße –, die Handballbundesligisten von GWD Minden, das Kreativzentrum Anne Frank, den Hamburger Hof, die Mindener Kuh, den Jazz Club, den Mindener Dom und natürlich den „Kaiser“ hochleben. Auch die Natur, die Minden umgibt, wird von Trauma berappt. Und vor allem: die Menschen. Denn die schönsten Mädchen leben – natürlich – in Minden und „die Stadt ist tolerant, denn Nazis haben hier nix zu suchen“, rappt Trauma in „Mi, Myself And I“. Mi, klar, steht für das Mindener Autokennzeichen „MI“. Davon abgesehen ist der Titel eine Anspielung auf De La Souls Klassiker „Me, Myself And I“.

Trauma, der in Minden an der Eine-Welt-Grundschule unterrichtet, ist ursprünglich aus dem beschaulichen Petershagen, nördlich von Minden. Mit 18 Jahren zog er nach Minden und fand Anschluss an die, wie er sagt, „Riesen-Hip-Hop-Szene“, die sich rund um den legendären Klan gebildet hatte. Mit Björn Bultemeyer bildete er das Rap-Duo Stress & Trauma. Damals habe er sein Herz an Minden verloren. Das merkte er spätestens beim Studium in Bielefeld, wo es ihm zwar auch gefallen habe, und beim anschließenden Referendariat in Solingen. „An den Wochenenden und in den Schulferien war ich immer in Minden“, sagt er. Vor drei Jahren dann, nach dem Referendariat, die Rückkehr in die Stadt seiner Wahl. Er bereut es nicht. „Es fühlt sich wunderbar an, wieder in meinem alten Freundeskreis und bei meiner Familie zu sein, da zu sein, wo man alles kennt“, sagt er und findet: „Minden ist sogar noch schöner geworden.“

Nach mehreren Veröffentlichungen als Stress & Trauma und einem Quasi-Soloalbum („Alles muss raus“) steht jetzt noch Traumas erstes offizielles Soloalbum an. Durch den Song „Mi, Myself And I“, den er bereits vor einem Jahr geschrieben habe, sei die Arbeit am Album erst so richtig in Gang gekommen. Titel, Inhalte und Erscheinungstermin hält er allerdings noch zurück. Nur so viel: Ein Konzeptalbum soll es sein, produziert größtenteils von Brisk Fingaz aus Hannover, aber auch von den Hitnapperz. Ob sich die Minden-Hommage „Mi, Myself And I“ auf dem Album wiederfinden wird, ist allerdings fraglich. „Der Song passt eigentlich nicht ins Konzept“, sagt Trauma.

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