weather-image
13°
The Untertakers, The Mojos und Lee Curtis – Liverpooler Urgesteine rocken im Lalu

Merseybeat kennt keinen Ruhestand

Hameln. Anfang der Sechzigerjahre fehlt es der Arbeiterstadt Liverpool nicht an Vergnügungsmöglichkeiten. Die Tanzsäle jedoch stehen für Sittsamkeit und Restriktion. Nichts für junge Leute, die eigene Wege gehen wollen. Auch in der Musik. Bands werden gegründet, Veranstaltungsorte gesucht, Verstärkeranlagen aufgebaut, bald begehren lange Schlangen Wartender um Einlass. Zeitweilig buhlen 350 Gruppen um deren Gunst, darunter die Beatles, die Mojos und die Undertakers. Sie bespielen den Cavern Club. Während die Beatles die Popwelt revolutionieren, bleiben die Mojos und die Undertakers ihrem Sound treu. Im Lalu beweisen sie eindrucksvoll, dass mit 66 Jahren das Leben tatsächlich erst anfängt. Während The Mojos im Rhythm’n’Blues und frühen Rock’n’Roll zu Hause sind und sich gern bei Chuck Berry bedienen („Never Can Tell“, „Sweet Little Sixteen“), aber auch den am River Mersey entstehenden Pop in Nick Crouchs Jingle-Jangle-Gitarrensound erkennen lassen, erweisen sich The Undertakers als überzeugendste Band des Abends. „Early In The Morning“ offenbart, dass diese Musik im Gospel ihren Ursprung hat. „Please Don’t Touch“ rockt, „Poison Ivy“ von den Coasters bietet mehrstimmigen Gesang, und „Do You Wanna Dance“ bringt Bewegung unter die 200 Gäste. Der Moody-Blues-Schleicher „Nights In White Satin“ erhält ein eigenständiges Arrangement, und der bescheidene Hit „Just A Little Bit“ darf nicht fehlen. Nicht nur in dem Instrumentaltitel „The Night Train“ stellt sich Jones als hervorragender Saxofonist vor. Und ist ein Scherzkeks, wenn er „How are you?“ durch das Mundstück fragt, um dies mit einem Nebelhorn-Ton selbst zu beantworten. Natürlich sind da die Anekdoten. Eine Zeitung vertauschte vor 50 Jahren den ursprünglichen Bandnamen in einer Konzertankündigung mit dem Schriftzug aus der nebenstehenden Anzeige des Beerdigungsinstituts „The Undertakers“.

veröffentlicht am 17.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

270_008_4105928_ku104_1805.jpg

Autor:

Martin Jedicke
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Umrahmt werden die Merseybeat-Legenden von der Coverband Heart to be, die vorhersehbares, aber kompetent dargebotenes Material von Stones bis Kinks, von E.L.O. bis Quo präsentiert und mit „Locomotive Breath“ Vorfreude auf das Jethro-Tull-Konzert im Juni weckt.

Lee Curtis, in Hameln kein Unbekannter, beschließt den Abend weit nach Mitternacht, am Ende in einer Jamsession mit allen Musikern. Man muss schon den späteren Elvis mögen, um die Vokalmanierismen des 69-jährigen Presley-Fans zu goutieren. So geraten Balladen arg kitschig, Rock’n’Roll-Nummern wie „Route 66“ gelingen weitaus besser. Elvis-Posen, Lasso-Kreisen, Tanzeinlagen im Publikum, der Mann lässt nichts aus. Man ist an diesem Samstagabend Mitglied einer großen Musikerfamilie, die die IG Beat nach Hameln holte.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt