weather-image
20°
25 000 Besucher auf Hildesheimer Flugplatz

„M’era Luna“: Schwarze Szene feiert Grau in Grau

HILDESHEIM. Es regnet weiter im Festivalsommer 2017. Dieses Wochenende trifft es das M’era Luna auf dem Hildesheimer Flugplatz. 25 Liter Wasser pro Quadratmeter fluten das Gelände und gefährden die Anfahrt der Fans schon am Freitag. 25 000 Menschen besuchen Deutschlands drittgrößtes Gothic- und Alternative-Treffen, es ist zum fünften Mal in Folge ausverkauft.

veröffentlicht am 13.08.2017 um 19:12 Uhr
aktualisiert am 13.08.2017 um 21:00 Uhr

Die Gruppe „Unzucht“ tritt auf der Hauptbühne auf. Stilecht sind auch die meisten Regenschirme im Publikum: schwarz. Foto:. gla

Autor:

Gabriele Laube
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Viele Besucher tragen schwarze Festivalshirts, einige werfen sich in futuristische Cyber-Outfits oder zerfetzte Zombie-Kleidung, andere aber flanieren in extravaganter Abendgarderobe umher. Die schwarze Szene toleriert aber auch Menschen, die im rosa Bademantel mit Schlappen oder gelbem Pokemon-Ganzkörperanzug auf dem Gelände erscheinen. Einen Dresscode gibt es nicht. Mit viel Schminke, aufwendigen Haartrachten, ausgefallenem Silberschmuck oder extravaganten Accessoires wie Gasmasken oder Gothic-Brillen ausgestattet erhalten Laien-Selbstdarsteller oder professionelle Künstler gleichermaßen bewundernde Blicke der anderen.

Im Modezelt drängelt sich die Menge, hier bieten die angesagten Szene-Hersteller Haarschmuck, Taschen und Masken feil, es nieselt. Neugierige wandern gleich weiter zum Diskohangar, wo die Gothic Fashion Show startet. Es bleibt kein Stuhl leer, als die fünf Labels ihre Visionen von schwarzer Mode in Lack, Leder oder Samt vorstellen: Schnittmuskel arrangieren Plastik-Leerrohre zu kunstvollem Medusa-Kopfputz, Slacks präsentieren Korsagen und Polizistenlook, Videnoir aus Mailand verziert märchenhafte Kleider mit vielen Federn, Nashimiron zeigt neckische Hüte und Accessoires und AMF Korsetts wirbt für sich in einer fesselnden Show mit viel nacktem Fleisch und brutal wirkenden Masken. Sie wird noch lange für Gespräche sorgen, diese spannende Modenschau.

Die Stände der Händler auf den umfangreichen Mittelalter- und Szene-Märkten vertreiben die Zeit zwischen den 40 Konzerten. Mit elektronischen Rhythmen, Alternative- und Mittelalter-Rock und etwas Metal wartet Tanzbares auf die Füße, die härteren Spielarten fordern zum Headbangen auf. Ausgefeilter Dark-Wave vom türkischen Duo „She Past Away“ füllt spielend das Hangar-Gebäude. Der dunkle Gesang und die pulsierenden Beats erinnern an The Cure.

Wie so oft im Festivalsommer 2017: Besucher waten durch den Matsch. Foto: gla
  • Wie so oft im Festivalsommer 2017: Besucher waten durch den Matsch. Foto: gla
Das „M’era Luna“-Festival bietet Gelegenheit, extravagante Outfits zu tragen. Foto: gla
  • Das „M’era Luna“-Festival bietet Gelegenheit, extravagante Outfits zu tragen. Foto: gla
Das „M’era Luna“-Festival bietet Gelegenheit, extravagante Outfits zu tragen. Foto: gla
  • Das „M’era Luna“-Festival bietet Gelegenheit, extravagante Outfits zu tragen. Foto: gla

Parallel auf der offenen Hauptbühne räkelt sich eine Badenixe im überdimensionierten Cocktailglas, Ost und Front spielen ihr Lied „Fleisch“, erinnern an Rammstein. Die Neue-Deutsche-Härte-Band liebt Provokationen, Sex und blutige Outfits. Dann steigen schwarze Luftballons in den trüben Sommerhimmel und utopisch aussehende Steampunk-Roadster kreisen auf dem Flugplatzgelände umher. Konzertpause. Auf dem kleinen Festivalsee grinst eine Dämon-Figur, der Tod wartet mit seiner Sense. Es regnet weiter. Im durchsichtigen Plastik-Regenschutz wirken alle blass.

Nicht lachen konnte Sänger Alexander Spreng über den Stromausfall während des ASP-Konzertes; erst kein Strom, dann heftige Schauer. Er tat sein Bestes, die nassen, aber gut gelaunten Zuschauer aufzuheizen. Korn gilt als Mitbegründer des Nu Metal, Fans freuen sich auf den Auftritt. Doch die Musiker rocken erst eine Stunde später als geplant lautstark die Main-Stage, bei deutlich gelichteten Reihen. Das Warten im Regen hat sich für viele nicht gelohnt – oder lockte einfach nur eine heiße Dusche?

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare