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Videokunst in der Reihe „Villa Vaudeville“

Melancholie ist ihre Strategie

Hannover. Es war einmal eine Hexe, die lebte in einer durchschnittlich öden Bleibe, deckte immer sorgsam eine Plastikfolie über ihren Grill und drapierte auf den regennassen, grasbewachsenen Wegen die Hinterlassenschaften grausiger Taten. So beginnt „Baba Jaga“, die filmische Erzählung der Videokünstlerin Kathrin Maria Wolkowicz. „Ich mag Märchen. Besonders das Brutale an ihnen“, sagt die 1981 in Berlin Geborene, die am Donnerstagabend in der Veranstaltungsreihe „Villa Vaudeville“ des Kunstverein-Stipendiaten Sebastian Neubauer Filme vorführt, Bilder zeigt und Bücher herumreicht. Doch: Märchenhaft sind ihre von 2004 bis 2009 reichenden Werke auf den ersten Blick kaum. Eher sind ihre Filme vielschichtig, sprechen den Betrachter parallel auf mehreren Ebenen an – und können irritieren.

veröffentlicht am 09.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

Autor:

Julia Marre
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Deutlich hörbare Regieanweisungen

Da ist der Film „Nächte ohne Jacken“, in dem eine im roten Kapuzenmantel versteckte Protagonistin über eine Wiese und zwischen Bäumen umher rennt, während Kathrin Wolkowicz ihr deutlich hörbare Regieanweisungen gibt. „Ich habe die Darstellerin bewusst nicht dirigiert. Alle Bewegungsabläufe haben sich spontan beim Drehen ergeben“, erklärt die Künstlerin. In ihrem Video „piosenka ludowa / Volkslied“ etwa zeigt sie Holzfiguren in Close-Ups, singt dazu eine polnische Weise, um im Untertitel eine nur halbrichtige englische Übersetzung anzubieten. Zeilen, die vermuten lassen, ihr Verfasser leide an einer humorreichen Mutation des Tourette-Syndroms.

Schlicht, aber keineswegs einfach

Das Medium Film benutzt Kathrin Wolkowicz vorwiegend, um prägnante Textfetzen und bewegungsarme Bilder zu kombinieren. Ihre Videos sind zwar schlicht, aber keineswegs einfach. Sind bildnerisch betrachtet trist, ohne ausdruckslos zu sein. Immer aber erzählen sie Geschichten von „Du und Ich“. Dezent sind ihre Papierarbeiten: Bücher, auf deren Seiten jeweils nur ein Buchstabe Platz findet. Gelbe Seiten, auf denen gelbe Sätze unauffällig abgelegt sind. Hefte, die anscheinend kontextlose Aussagen versammeln.

Weitere Informationen über Kathrin Maria Wolkowicz und ihre Arbeiten gibt es im Internet unter www.kathrinwolkowicz.net

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