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Das Museum August Kestner zeigt „4000 Jahre Gastgewerbe“

„Mein Wunsch ist es, in der Kneipe zu sterben“

Hannover. „Zu Gast – 4000 Jahre Gastgewerbe“, mit diesem Thema setzt sich das Museum August Kestner in einer großen Ausstellung auseinander. Es ist fürwahr ein weiter Weg, der in diesem Haus, so ganz akribisch, geboten wird: vom ältesten Gastwirt der Menschheit, einer Schankwirtin, die im Gilgamesch-Epos um 2100 v. Chr. erwähnt wird, bis zum Fast Food und Design im 21. Jahrhundert, mit dem Trend zur Molekularküche.

veröffentlicht am 05.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 02:41 Uhr

Bier und Wein im Alten Ägypten  Foto: Museum August Kestner

Autor:

Klaus Zimmer
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Das zweitälteste Gewerbe der Menschheit

In der Ausstellung kann man anhand der Objekte und Abbildungen verfolgen, wie das zweitälteste Gewerbe der Menschheit entstand, wie Kulturen Rituale der Gastfreundschaft entwickelt haben. Denn unsere Vorfahren begannen, nach neuesten Erkenntnissen, schon vor zwei Millionen Jahren zu kochen.

Es gibt zwar keine Kultur, die prinzipiell gewalttätig oder gewaltabstinent ist. Doch überall ist eine klare Aufteilung entstanden. Zu den verbotenen Plätzen von Gewaltausübung gehört seit frühester Zeit die Taverne, Platz der Begegnung in einer friedfertigen Hülle. Und auch das war schon immer so: Gastgeber und Gast befinden sich stets in einem Leistungsverhältnis: Der Hausherr gibt Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und Sicherheitsgarantie für die Dauer des Aufenthaltes. Der Gast wiederum muss sich friedlich verhalten und eine wertähnliche Leistung erbringen.

Die aus heutiger Sicht vielleicht erwartete Primitivität des Essens und der verwendeten Utensilien wird durch Berichte etwa Montaignes und Coryates’ widerlegt. Es war jedoch noch üblich, dass jeder Gast sein Besteck mitbrachte, etwa ein Messer, manchmal kombiniert mit Ahle, Pfriem oder einer Gabel, auch Dolche, in deren Scheide das Zubehör steckte.

Auch das kann man nachlesen: Vom 12. bis 20. Jahrhundert hat jede Nationalliteratur ihre hochkarätigen Beitragsleister, die nicht selten im wirklichen Leben den Freuden und Leiden des Gasthaus- und Kaffeehauslebens verfallen sind. Jedoch im allerschönsten Küchenlatein dichtet schon um 1160 v. Chr. ein Anonymus unter dem Namen Archipoeta, in einer Vagantenbeichte das Leitmotiv aller nachfolgenden wirtshausnahen Dichterinnen und Dichter: „Meum est propositum in taberna mori...“ (Mein Wunsch ist es, in der Kneipe zu sterben).

Die Ausstellung im Kestner-Museum, Trammplatz 3, ist geöffnet bis zum 30. August, Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch bis 20 Uhr.



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