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Wiedersehen der Autorenvereinigung Gruppe 47 nach 50 Jahren

Mehr als ein Klassentreffen

WAISCHENFELD. Vor fünf Jahrzehnten traf sich die legendäre Autorenvereinigung Gruppe 47 zum letzten Mal. Nun ist das kleine fränkische Städtchen Waischenfeld auf die Idee gekommen, die Literaten einfach noch einmal einzuladen. Und viele von ihnen kommen tatsächlich.

veröffentlicht am 10.10.2017 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 10.10.2017 um 17:30 Uhr

Im Gasthof Pulvermühle in der Fränkischen Schweiz tagte im Oktober 1967 die bekannte Autorenvereinigung Gruppe 47 zum letzten Mal. Foto: Nicolas Armer/dpa

Autor:

Kathrin Zeilmann

Bei schönem Wetter rauschen die Ausflügler mit dem Auto oder dem Motorrad vorbei. Bei Regen, wenn die Wolken zwischen den Felsen hängen, ist es trist. Dass in diesem Gasthof am Ufer des Flüsschens Wiesent vor 50 Jahren Literaturgeschichte geschrieben wurde – wer weiß das heute schon, wenn er einen Ausflug oder einen Kurztrip in die Fränkische Schweiz zum Wandern oder Klettern unternimmt?

Hier, im Gasthof „Pulvermühle“, tagte im Oktober 1967 die legendäre Gruppe 47 zum letzten Mal. Ein zweitägiges Festival in der Kleinstadt Waischenfeld an diesem Wochenende (14./15. Oktober) ist nun der Gruppe 47 gewidmet. Sofern es die Gesundheit zulasse, hätten die meisten der einstigen noch lebenden Teilnehmer ihr Kommen zugesagt, sagt Organisatorin Karla Fohrbeck stolz: „Sie freuen sich alle aufeinander.“

Die ehemalige Kulturreferentin der Stadt Nürnberg glaubt indes nicht, dass die Begegnung in Waischenfeld nach 50 Jahren ein sentimentales Klassentreffen wird – vielmehr gehe es den Teilnehmern nach wie vor um Literatur. „Jeder will lesen. Einige gestalten auch zwei Lesungen.“ In den Briefen und E-Mails, die sie als Rückmeldung auf ihre Einladung bekommen habe, habe es fast immer geheißen: „Was für eine tolle Idee!“ Nicht nur die alten Kämpen der Gruppe 47 sind nach Waischenfeld eingeladen, sondern auch junge Autoren wie Nora Bossong. Jung und Alt sollen miteinander ins Gespräch kommen auf Podien, bei Lesungen oder im Literatencafé. Hans Magnus Enzensberger wird ebenso erwartet wie Friedrich Christian Delius und Jürgen Becker, der vor 50 Jahren in der „Pulvermühle“ den letzten Preis der Gruppe 47 gewann.

Dass die Gruppe sich einst in einem so abgelegenen Ort traf, gehörte zum Konzept der Literatenvereinigung, die offiziell ja eigentlich gar keine war. Hans-Werner Richter (1908–1993) lud stets persönlich per Postkarte ein. Man wollte abseits der Metropolen sein, sich auf die Literatur, die Sprache, die Diskussion konzentrieren: engagierte Autoren, die die Erfahrung Diktatur, Krieg und Trümmer verarbeiten mussten. Namen wie Günter Grass, Heinrich Böll, Martin Walser, Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger waren die Aushängeschilder der Gruppe 47, an deren Treffen später auch Verleger und Kritiker teilnahmen. Die Gruppe war die Intellektuellen-Bühne der jungen Bundesrepublik schlechthin.

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