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Sabrina Ascacibar mit Programm „Ahoi“ beim Blauen Montag im TAB

Maritimes mit sehr viel Tiefgang

Hameln. Sicher, im industrialisierten, GPS-gesteuerten Container-Stückgutverkehr ist kein Platz mehr für Seefahrerromantik. Dennoch bleibt das Meer auch heute noch Projektionsfläche für Sehnsüchte, Fernweh und Mythen.

veröffentlicht am 12.01.2011 um 14:47 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:21 Uhr

Verwandelte das TAB in eine Tango-Spelunke jenseits von Shanty-Chören: Sabrina Ascacibar mit Sönke Rust und Maik Schott. Foto: e

Autor:

Ernst August Wolf
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In ihrem maritimen Soloprogramm „Ahoi“ präsentierte die Schauspielerin und Sängerin Sabrina Ascacibar beim leider viel zu schwach besuchten „Blauen Montag“ im TAB Lieder und Texte zum Mythos Meer. Als Kind einer Deutschen und eines Spaniers in Dakar im Senegal geboren, aufgewachsen im südamerikanischen Buenos Aires, studierte die in Hamburg lebende Künstlerin in New York Schauspiel und Tanz sowie Politik- und Theaterwissenschaft in München.

Die Trägerin des Lale-Andersen-Preises entkleidet mit ihren Interpretationen von Seemannsliedern à la Freddy Quinn („Sie hieß Mary Ann“, „Aloha Oe“) das Genre von jeglichen kitschigen Elementen. Sie akzentuiert durch einen ausgeprägt chansonhaften, mitunter sehr expressiven Vortrag den existenziellen Gehalt der Texte. Wie in Norbert Schultzes „Käpt’n Bay Bay aus Shanghai“ schwankt sie zwischen ironisierter Melodramatik und überaus tiefgründigen Texten voll geheimnisvoll-surrealistischen Meereszaubers.

Für Ascacibar vereinen sich dabei vor dem Hintergrund der Urgewalt des Meeres männliche und weibliche Prinzipien. Hier der wagemutige Entdecker, der Abenteuer suchende Seemann à la Odysseus. Dort die Geliebte im Hafen, die ewig Wartende und ihr mitunter trauriges Schicksal.

Ascacibar lässt dabei zusammen mit ihren beiden musikalischen Begleitern, Maik Schott am Keyboard und Zwei-Meter-Mann Sönke Rust an verschiedenen Gitarren, Banjo und Mandoline, in einer Melange von Tangorhythmen und Jazzanklängen die Seele des Meeres sichtbar werden. Zwischendurch gibt’s kleine Trickfilmchen im Monty-Python-Stil, die in surreal anmutende Bild- und Klangwellen zusammenfließen.

Am stärksten jedoch sind Ascacibars südamerikanische Lieder und Texte: „La Paloma“, „Der kleine Liebesvogel“ (glänzend gestisch umgesetzt) und die „Romance de Barrio“.

Dem Publikum war schnell klar, dass das TAB an diesem „Blauen Montag“ beileibe nicht eine shantyselige „Haifischbar“ war, sondern eher eine Tango-Spelunke in einer argentinischen Hafenstadt. So dankte es mit anhaltendem Applaus und forderte gleich mehrere Zugaben nach einem maritimen Abend mit enorm viel Tiefgang.



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