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Die Buchhandlung Matthias holte Bestsellerautor Richard David Precht nach Hameln

Mammutjäger und Mammuteintopfköchinnen

Hameln. Nein, die Treppe braucht er nicht. Mit einem sportlichen Sprung hechtet Richard David Precht auf die Bühne der Sumpfblume, stellt den Mikrofonständer weg, ignoriert den Stuhl, verschiebt den Tisch und setzt sich schwungvoll darauf. Das obligatorische Buch, das bei einer Autorenlesung normalerweise die zweite Hauptrolle spielt, hat er nicht dabei. Auch Manuskripte von bisher unveröffentlichtem Material sind nicht zu sehen. Nicht mal ein Glas Wasser! Was ist da los?

veröffentlicht am 07.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Richard David Precht, der mit „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ seit 64 Wochen in den Bestsellerlisten präsent ist, bietet den rund 130 Zuhörern alles andere als eine 0815-Lesung. Vielmehr hält er ein gut einstündiges Referat über eines der schönsten Themen der Welt: die Liebe. Wie auch in seinem neuen Buch „Liebe – ein unordentliches Gefühl“ arrangiert der Schriftsteller und Philosoph aus schwerwiegenden Zutaten eine relativ leichte Kost – immer unterhaltsam, nie langweilig, meist sachkundig, oft lustig.

„Zwergschimpansen sind Hippies!“

„Liebe ist egoistisch“, sagt Precht, „aber das ist nicht schlimm.“ Von Tiefseegarnelen, die rot werden, führt die von ihm eloquent geleitete Expedition ins Reich der als Urzeithippies titulierten, alles andere als monogamen Zwergschimpansen („Die haben die Kommune 1 erfunden!“). Zur Entdeckung der Module für romantische Liebe. Zur Diktatur der Attraktivität – wäre er Jurist, würde Precht „Germany’s Next Topmodel“ verbieten, „weil solche Sendungen nur Minderwertigkeitskomplexe erzeugen“. Zur Tyrannei der Freiheit. Und zum „steinzeitlichen Surrealismus“ von Mammutjägern und Mammuteintopfköchinnen.

„Liebe ist ein gefährlicher Unsinn“, lautet Prechts Fazit. Er ist Realist, kein Utopist. Auch wenn die harten Fakten aus Biologie, Psychologie, Chemie, Soziologie und Philosophie so neu nicht scheinen – ansehnlich ist die Art, in der sich Reiseleiter Precht den Sehens- oder vielmehr Fühlenswürdigkeiten nähert: lehrreich, doch ohne erhobenen Zeigefinger; amüsant, aber ohne in Plattitüden und Mario-Barth-Klischees zu verfallen.

Mit einer Fragestunde und anschließendem Schlangestehen zum Signieren endet die von der Buchhandlung Matthias veranstaltete Lesung. Es war die erste, die Precht nach Hameln führte. Und hoffentlich nicht die letzte.

Sympathischer Dozent zwischen Testosteron-Spiegel und Gehirnhälften-Fusion: Richard David Precht.

Foto: are



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