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Malerische Setzungen im Gegen- und Miteinander

Hannover. Das Sprengel Museum Hannover zeigt anlässlich einer Buchveröffentlichung  neue Arbeiten des gebürtigen Hannoveraners Frank Rosenthal, dessen "leise, feinnervig-seismografische Kraft uns gleich in ihren Bann zieht", wie unser Kritiker Klaus Zimmer in seinem Bericht über die Ausstellung schreibt.

veröffentlicht am 21.06.2013 um 12:20 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:21 Uhr

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Hannover. Die Kunst unserer Epoche bewegt sich, stetig wachsend, in einer Gegenrichtung. Mit Paul Klee könnte man sagen, sie beschäftige sich nicht mit dem Sichtbaren, sondern mache sichtbar. Vielen Künstlern bietet die schau- und tastbare Außenwelt keinen Anreiz mehr. Es sind vielmehr die noch wenig erforschten „Kontinente des Innern“, die zum Entdecken verführen.
 Und damit kommen wir zum Werk des Malers Frank Rosenthal, dem das Sprengel Museum, anlässlich seines neuen Buches, eine Werkauswahl widmet, und dessen leise, feinnervig-seismografische Kraft uns gleich in ihren Bann zieht. Die abstrakte Malerei (Acryl auf Nessel) des 1957 in Hannover Geborenen, seine malerischen Setzungen im Gegen- und Miteinander unterschiedlichster stilistischer und formaler Ansätze, lassen in der Vielfalt dieses spannungsvollen Nebeneinander monochromer und farbiger Unternehmungen, ein im höchsten Maße komplexes OEuvre heranwachsen.
 Doch bei alledem ist und bleibt Rosenthal ein Künstler, über dessen Werk die Meinungen auseinandergehen. Das jedoch spricht für die eigenwillige Qualität einer Handschrift, die vom betrachtenden Gegenüber auch ein bewusstes Hineindenken voraussetzt. Dieser Künstler erhielt sicher seine ersten prägenden Eindrücke an der HBK Braunschweig, als Meisterschüler bei Ben Willikens, der wiederum durch seine leeren Flure, vor allem durch das „menschenleere“ Abendmahl nach Leonardo da Vinci, große internationale Beachtung fand. Und später dann fühlte sich Rosenthal vor allem „angesprochen“ durch Maler wie Walter Stöhrer, Willem de Kooning oder auch Cy Twombly.
 Vielleicht sollte man noch hinzufügen: Seitdem Kasimir Malewitsch die Epoche des neuen Realismus in der Malerei verkündete, haben die meisten gemalten Objekte an Wert verloren, und indem Rosenthal seine „Entdeckungen“ sichtbar macht, sollte der Betrachter vor seinem Werk unterscheiden lernen, so wie Kandinsky entschieden hat zwischen der entblößten, augenfälligen geometrischen Konstruktion und der „versteckten, die aus dem Bilde unauffällig herauskommt und also weniger für das Auge als für die Seele bestimmt ist“.
 Im Laufe der vergangenen fast zwei Jahrzehnte untersucht der Künstler immer wieder in der ästhetisch produktiven Kluft nach neuen Formulierungen im Spannungsfeld von Linie und Farbe. Und es ist Rosenthals Handschrift, dass die Bilder trotz ihrer Abstraktheit nie in ein nur reines Universum führen. In ihren Gegensätzen zwischen Geometrie und Gestik, Struktur und Sinnlichkeit, in dieser Balance, „erzählen die Bilder“, so Michael Stoeber, „zugleich von unserer Sehnsucht nach Harmonie und Homöostase.“
u Zur Präsentation ist auch das neue Buch über Frank Rosenthal, in der Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“ herausgegeben. Die Ausstellung läuft noch bis 6. Oktober.



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