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„Der Womanizer“ – Dickens „Weihnachtserzählung“ in einen anderen Kontext gestellt

Männerfantasie: Nacht der Ex-Freundinnen

Connor Mead (Matthew McConaughey) ist ein vielbeschäftigter Mode-Fotograf und rücksichtloser Macho, der zu Beginn des Films via Konferenzschaltung gleich drei Freundinnen den Laufpass gibt. Sein Bruder Paul ist da ganz anders: Er will heiraten. Noch während des Polterabends bringt Connor alle Gäste mit seinen Ansichten auf die Palme – besonders Jugendfreundin Jenny (Jennifer Garner), die er vor Jahren sitzen ließ. Und dann passiert’s. Auf dem Klo begegnet Connor dem Geist seines Onkels (Michael Douglas). Er warnt: Es gebe noch mehr im Leben als Sex. Im Laufe der Nacht tauchen drei weitere, weibliche Geister auf, die Connor auf Ausflügen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit seiner Beziehungsunfähigkeit konfrontieren.

veröffentlicht am 27.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

Autor:

Michael Ranze
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Regisseurs Mark Waters (“Solange Du da bist“) hat Charles Dickens‘ „Weihnachtserzählung“ in einen anderen Kontext gestellt: den der Promiskuität. Allerdings ohne Erkenntnisgewinn. Denn: Die einzelnen Begegnungen mit den Geistern der Vergangenheit sind nur Aufhänger für Gags, deren Überraschungslosigkeit die Ideenlosigkeit des Drehbuchs schmerzhaft offenbart.

Selten einmal, dass ein visueller Einfall überzeugt, wie jenes fahrbare Doppelbett, mit dem Connor und der Geist seiner ersten Freundin von Schauplatz zu Schauplatz eilen. Selten einmal, dass die Begegnung mit einer Frau so ironisch gebrochen wird wie Connors versehentliche Anmache der Schwiegermutter seines Bruders. Doch im Großen und Ganzen ist das Drehbuch zu sehr mit den Handlungsfäden beschäftigt anstatt hintergründige Dialoge und Situationen zu umreißen.

Das Konzept, Frauen als willenlose und stets bereite Sexobjekte darzustellen ohne Promiskuität und Sexsucht zu problematisieren, trägt auf Dauer nicht. Warum sollten sie auf einen Mann hereinfallen, der seine Haltung wie einen Bauchladen vor sich herträgt? Die Doppelreihe schöner Frauen, die sich in einer Szene im Hintergrund endlos fortzusetzen scheint, steht darum stellvertretend für den gesamten Film: eine reine Männerfantasie.

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