weather-image
Mogwai machen am Montagabend im Capitol Krach für Kenner

Männer, die auf Schuhe starren

Hannover. Was ist das für eine Musik, die unter dem Titel „Post Rock“ oder in der Kategorie „Shoegazing“ geführt wird? Post Rock gerät zu einem ähnlich hilflosen Sammelbegriff wie Postmoderne: das zusammenfassend, was sich schwer einordnen lässt und aus Versatzstücken besteht, die es schon einmal gab, deren De- und Rekonstruktionen aber innovativ wirken.

veröffentlicht am 01.11.2011 um 14:16 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 04:21 Uhr

270_008_4921337_ku102_0211.jpg

Autor:

Martin Jedicke
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ähnlich verhält es sich mit der Musik von Mogwai. Was die schottische Band am Montag im Capitol zu Gehör bringt, ist zu laut für Ambient und zu vielschichtig für Riffrock. Eben „Shoegazing“: auf die Schuhe starren. Denn in deren Nähe befinden sich allerlei Effektgeräte, mit denen Stuart Braithwaite und John Cummings cineastisch anmutende Klanglandschaften erzeugen, die karge Highlands vor dem inneren Auge heraufbeschwören und einen Vogelflug über grüne Wiesen und kristallene Seen.

Meist jedoch türmen sich im Zusammenspiel mit Dominic Aitchisons Bass, Martin Bullochs Schlagzeug und Barry Burns dritter Gitarre gigantische Noise-Wände auf, die an Phil Spector auf Droge gemahnen und durchlässig bleiben. Da wächst ein Blümchen aus einer Mauerspalte, da bröseln Steine heraus und lassen Sonne hindurchscheinen. Besonders dann, wenn Burns sich ans Keyboard setzt und diesem Pianotupfer entlockt. Ein wenig zu oft aber verschwinden schöne Melodien hinter dem mäandernden Sound der drei Gitarren, Feedback nicht scheuend. My Bloody Valentine machten das einst vor, die hatten bei Velvet Underground zugehört.

Mogwai verzichten, abgesehen von verzerrten Lautmalereien, weitgehend auf Gesang. Sie haben ihre Ausdrucksform gefunden, besonders schön in der Installation „Monument for a Forgotten Future“, einer begehbaren Skulptur, die einem Felsen im Joshua Tree National Park nachempfunden wurde. In ihm erklingt eine Mogwai-Symphonie. Bis vor kurzem in Gelsenkirchen, nun nur noch auf CD. Im Capitol galt eher das Motto: Krach für Kenner, Lärm de luxe.

Rock ohne Röhre am Mikrofon: Mogwai aus Schottland verzichten zumeist auf Gesang. Foto: jed



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt