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Marionetten über und unter Wasser: „Sheep Stories“ im Theater

Mählodien im Schafspelz

Hameln. Steht ein Schaf am Rand des Aquariums und schüttelt sich das Wasser aus dem Fell. Nein, so beginnt kein Mittelklasse-Witz. So endet die Aufführung der „Sheep Stories“ des Lübecker Unterwasser Marionettentheaters. Am Donnerstag geben Wolf Malten und Simone Frömming drei Vorstellungen ihres skurrilen Puppenspiels im Theater Hameln. Und das ist zwar nicht von der ersten bis zur letzten Minute brüllkomisch. Kann aber mit knuffigen Wollknäueln auf zwei Beinen punkten – und lebt mehr von liebevoller Absurdität als von krachenden Pointen.

veröffentlicht am 03.05.2012 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Wolf Malten ist Spielmann und „narrator“. Im Bühnendunkel sitzend, rupft er Melodien aus den Saiten seiner E-Gitarre und gibt den frenetischen Rockmusiker. Dazu erzählt er Anekdoten mit Moral und ohne – natürlich „in english“. Einleitend gibt’s einen Crashkurs in Sachen „Vocabulary“. Mittendrin immer wieder amüsante Sprüche in der Mischform Denglisch: „Don‘t be so bockig“, ermahnt Wolf das von Allüren geplagte Schaf Elvis. Oder: „Look, I am very sportlich“, prahlt das in die Puppenspielerin verknallte Schaf. Wolf spricht die Erzählerstimme, hoch säuselnd und verstellt auch die agierenden Schafe. Simone hingegen schweigt, zupft an den Marionettenfäden und lässt die Schafe hopsen, tanzen, springen und mit dem Ohr winken.

Worum es geht in den „Sheep Stories“? Um zwischenmensch-und-schafliche Beziehungen, um Deprimiertheiten und Drogen, um liebenswürdiges Laientum und Unvollkommenheiten. Banalitäten, die sich nachzuerzählen gar nicht lohnen würde. Denn es ist nicht das Was, sondern das Wie, mit dem die Schauspielcollage entzückt. Der sprichwörtliche rote Faden geht immer wieder verloren – aber darum geht es hier ja auch gar nicht. Puppenspielerin Simone Frömming hat nämlich ihre Marionetten allzeit bestens im Griff.

Und was ist nun mit dem Unterwasser-Theater? Wer sich im 60-minütigen Stück 40 Minuten geduldet, der erlebt mit, wie ein Schaf ins Aquarium springt und paddelt, taucht und planscht, untergeht und wieder auftaucht. Aber allein der Anblick vom triefendnassen Schaf mit Schwimmreif, dem das Wasser vom Stummelschwänzchen rinnt, ist die amüsante Show wert. Und am Ende singt das Publikum geschlossen „We love Sheep“ – das klingt eindeutig besser als jeder Zugabe-Chor.

Auf meinem Plastikboot bin ich Kapitän: Das Kolumbus-Schaf ist mit Korkenzieher-Schwimmreifen ausgerüstet und hat Vitamine in Form von Orangen dabei, damit es gegen Skorbut gefeit ist. Foto: Dana



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