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Das 14. Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“ gastierte in der Zehntscheune in Hämelschenburg

Lyrik. Welttheater. Kammermusik.

Hameln. „Die Veranstaltungen sind lang, die Schauplätze abgelegen, die Künstler prominent“, schreibt die künstlerische Leiterin des „Literatur- und Musikfestes ´Wege durch das Land´“, Dr. Brigitte Labs-Ehlert, in ihrer Einführung. Bei der 14. Auflage der auch vom Landschaftsverband Hameln-Pyrmont teilweise geförderten Veranstaltungsreihe sind in der Zeit vom 9. Mai bis zum 10. August 23 verschiedene Renaissanceschlösser im Weserraum, aber auch barocke Herrenhäuser, Mühlen und Scheunen, Spielorte für Lesungen und Konzerte. In diesem Jahr mit dabei auch Schloss Hämelschenburg, dessen Zehntscheune schon lange ausverkauft war. Bei widriger Witterung drängten die Besucher ungeduldig herein, ließen sich eingangs von Brigitte Labs-Ehlert in Anwesenheit der Familie von Klencke an jenen, an diesem Ort ausgetragenen, denkwürdigen Religionsdisput zwischen dem Hildesheimer Jesuitenpater Augustinus und dem Helmstädter Theologen Georg Calixtus vor 400 Jahren erinnern, von dem sich der inhaltliche Bogen dann spannte zu Pedro Caldérons 1635 entstandenem Werk „Das große Welttheater“, aus dem der Schauspieler Josef Ostendorf las.

veröffentlicht am 02.06.2013 um 14:33 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Ehe sich aber in Ostendorfs Caldéron-Rezitation das Leben als Spiel und die Welt als Bühne präsentierte, entführte die Lyrikerin Doris Runge die mehr als 360 Zuhörer in die wortintensive Welt ihrer Gedichte. Runges Texte aus „Zwischen Tür und Engel“, mitunter zweimal vorgetragen, sind radikale sprachliche Verknappungen, in einfache, aber prägnante Formen und lange nachklingenden Wortbilder gefasste Einblicke in Grundzüge menschlicher Wesen- und Schicksalhaftigkeit. „Erinnerung“, so etwa lautet eine von Runges Zeilen, „gut, dass sie Vergessen kennt.“

„Das große Welttheater“ des Pedro Caldéron inszenierte Josef Ostendorf eingangs des zweiten Teils des Abends. Labs-Ehlerts Kommentar: „Gott bestimmt die Welt zum Regisseur und ruft die Spieler auf. Wie der Reiche, der König, der Bauer, der Arme, die Schönheit, die Vernunft und das Kind ihre Rollen ausführen, bleibt ihnen überlassen, denn der Mensch ist frei.“

Musikalisch war der Abend mit Daniel Hope, Geige, und Sebastian Knauer, Klavier, vor allem dem jüdisch-ungarischen Komponisten Joseph Joachim (1831 - 1907) gewidmet. Brahms und Schumann widmeten dem Konzertdirektor am Welfenhof in Hannover 1853 die FAE-(Frei aber einsam)-Sonate.

Lyrik, Caldérons Text zum großen religionsphilosophischen Welttheater, und ein Konzerterlebnis, welches alleine schon die weiteste Anreise gelohnt hätte, ließen an diesem trüben Juni-Abend in der Hämelschenburger Zehntscheune einen Dreiklang ertönen, dessen Nachhall problemlos bis zum 15. Juni klingen wird, denn dann macht „Wege durch das Land“ im Stift Fischbeck Station, wo Jenny Erpenbeck und Matthias Brandt lesen, und die Sopranistin Dorothea Mields und die „Lautten Companey“ musizieren werden.

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