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Rotem Tashach und Roy Assaf beim Tanztheater International

Lustig, aber nie lächerlich

HANNOVER. Was hat ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, auf dem sich eine halbnackte Menschenmenge verzweifelt auf einem Floß drängt, mit Fotos von Bühnentänzern oder Straßenkämpfen zwischen Israelis und Palästinensern zu tun? Rotem Tashach macht bei seinem hannoverschen Gastspiel im Rahmen des Festivals Tanztheater International mit einfachen Gesten und viel Worten darauf aufmerksam, wie sehr sich die Motive ähneln, wenn man sich allein auf die dargestellten Körper konzentriert: wie sie sich aufbäumen oder am Boden kauern, wie sie sich drohend recken oder ängstlich ducken.

veröffentlicht am 05.09.2017 um 17:25 Uhr

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Damit untermauert er seine These, dass die Realität die Kunst überholt hat. Tashach ist Choreograf. Doch die Körpersprache allein reicht ihm nicht, um sich mitzuteilen. In seiner 30-minütigen Performance „It’s all good“ springt der Israeli zwischen einem Ohrensessel und einem Lesepult hin und her, während im Hintergrund der Bühne im Ballhof 1 eine Diashow mit Fotos von Kunstwerken, Tanzszenen, kriegerischen Auseinandersetzungen und Katastrophen läuft, die er im Vortragston kommentiert.

Doch egal, ob nun Flüchtlinge in einem überfüllten Schlauchboot zu sehen sind oder Filmfotos vom Untergang der „Titanic“ – das Publikum schaut scheinbar unberührt auf die Bilder. „Was bewegt uns?“, fragt Tashach. Seine Stimme ist ruhig und unaufgeregt. Doch eigentlich will er aufrütteln, das Publikum aus seiner Theatersessel-Komfortzone reißen. Am Ende lädt er dazu ein, mit ihm zu Discomusik zu tanzen. Von rund 250 Zuschauern im ausverkauften Saal trauen sich acht. Das Gros bleibt sitzen und schaut zu – unbewegt. Am Ende zeigt sich immerhin im lang anhaltenden und herzlichen Beifall, dass Tashachs Performance durchaus überzeugt hat.

Sein Landsmann Roy Assaf hatte zuvor mit seinem Stück „Boys“ ebenfalls für Begeisterung gesorgt. Angekündigt war die Vorstellung als „männliche Identitäts-Show“. Das klingt nach einer Nummernrevue für Stereotype. Doch Roy Assaf beschäftigt sich mehr mit der Frage, wie Idealbilder und Wirklichkeit zusammenpassen.

Seine fünf Tänzer lässt er immer wieder Posen antiker männlicher Statuen einnehmen, doch als Soldaten beispielsweise geben sie früher oder später ihre aufrechte Haltung auf und kriechen und robben, den Kopf gesenkt, über den Fußboden. Sie zeigen sich aggressiv, rangeln und toben und wirken am Ende doch eher wie tollpatschige Clowns. Sie lassen sogar die Hosen runter und stolpern dabei fast über ihre eigenen Füße. Das alles ist zwar lustig, aber dank Assafs fein austarierter Bewegungssprache niemals lächerlich.



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