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6. Sinfoniekonzert in der Staatsoper Hannover

Luftiger Klavierzauber

Hannover. „Die nordische Luft mit Schnee, weißen Nächten und blauem Himmel genießen“: Dazu lud der finnische Dirigent Ari Rasilainen die Hörer am Sonntag im Sinfoniekonzert der Staatsoper ein und bereitete ihnen mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hörfreuden auf der ganzen Linie.

veröffentlicht am 12.03.2012 um 14:52 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Als erste Hilfskräfte schlichen sich über Einspielungen finnische Vögel ins Gehör, so, wie Einujohani Rautavaara sie 1972 in seinem Cantus Arcticus verewigte. Da röhren sie über Lautsprecher mitten ins Orchester hinein oder klagen melancholisch – und am Ende des 15-Minuten-Stücks ist die Luft erfüllt vom Klang der über die Köpfe ziehenden Schwäne. Zuletzt war dieses Klanggemälde vor fünf Jahren im Kuppelsaal zu hören. Nun, im kleineren Rund des Opernhauses, wirkte alles direkter – man saß mittendrin.

Das Staatsorchester, hier noch deutlich dezimiert, trat in voller Stärke nach der Pause an zum großen Abschluss des Konzerts, der fünften Sinfonie von Jean Sibelius. Auch sie eine Abbildung von Natur, obgleich entsprechende Satzüberschriften fehlen. Auslöser der Komposition war das Erlebnis von sechzehn über Sibelius kreisenden Schwänen sowie der Gesang der Kraniche und Wildenten, der das prägende Thema des Finalsatzes bildet. Das Staatsorchester fühlte sich unter dem Dirigat von Ari Rasilainen offensichtlich richtig wohl. Klangselig und sonor die Streicher, präzise der Chor der Bläser, durchzogen von hervorragenden Soli schon bei Rautavaaras Vogelzug.

Zwischen den beiden Visiten in Finnland stand ein Besuch im norwegischen Troldhaugen. Wer glaubte, Edvard Griegs Klavierkonzert genau zu kennen, konnte nun dazulernen. Olga Scheps zeigte es. Die junge Russin hat das Temperament und die Anschlagskultur der großen Alten. Instinktsicher ihr Gespür für Tempi, für Atempausen und für den Aufbau von Spannungen, gleich ob harmonischer, melodischer oder rhythmischer Art. Sie hat die Kraft, die vollgriffigen Fortissimopassagen (und deren finden sich bei Grieg etliche) nicht nur durchzustehen, sondern sie auch ohne Härte klingen zu lassen. Und wie sehr Olga Scheps ihre Hörer mit Kantilenen verzaubern kann, zeigte sich nach zwei Zugaben, Schuberts Impromptu As-Dur op. 142,2 und Chopins Nocturne Des-Dur op. 72,2 – als noch immer niemand seinen Platz verlassen mochte. Es war fast so wie bei den russischen Babuschkas: ein Konzert im anderen.



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