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Mark Knopfler als entspannter Anti-Rockstar in ausverkaufter Tui-Arena

Locker vom Hocker

HANNOVER. Man darf sich Mark Knopfler als Felix Happer aus der gesellschaftskritischen Ökokomödie „Local Hero“ vorstellen. Happer hat wenig Interesse an den Expansionsplänen seiner Ölfirma, die in einem schottischen Küstendorf eine Raffinerie errichten will. Der Hobbyastronom Happer schaut lieber in die Sterne. Sein Geld hat er längst verdient wie Knopfler mit den Dire Straits, die ihm irgendwann zu groß wurden.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 17:55 Uhr

Mark Knopfler spielt mit seiner Band vor 10 000 Zuschauern in der Tui-Arena. Foto: je
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Autor

Martin Jedicke Reporter

Auf mittlerweile neun Soloalben, nicht mitgezählt die Filmscores und Kooperationen, hat er sich gemütlich eingerichtet, spielt Lieder, die US-amerikanischen Blues mit keltischem Folk mischen. Zehn Mitstreiter lassen neben dem üblichen Instrumentarium Flöten und Pfeifen, Bouzouki, Akkordeon, Geige, Bodhrán und Bläser erklingen. Für einen Dorf-Pub ist die Band natürlich zu groß, aber als sich die Musiker zu „Done with Bonaparte“ am Bühnenrand versammeln, hat das was von Kneipenkonzert. Vor allem, wenn Knopfler erst das Tempo abstimmen will mit älteren Männern, die sich gerade zum Musikmachen verabredet haben, und dann mutig verspricht: „We do our best!“ Das erinnert an Miss Sophies Butler.

Die Dire-Straits-Nummern scheinen eher Pflichtprogramm zu sein. Und manch Fan mag sich mehr über die Abwesenheit von „Sultans of Swing“ und „Telegraph Road“ ärgern, als den gepflegten Wohlklang von „Your Latest Trick“ und die Prise Reggae im wunderbaren „Once Upon a Time in the West“ zu genießen. Dafür gibt es erwartungsgemäß das pianolastige „Romeo and Juliet“, „Money for Nothing“ mit sägender Rockgitarre und „Brothers in Arms“ als eine von drei Zugaben.

Mehr am Herzen liegen Knopfler die Lieder, die er nach den Dire Straits schrieb. Wie das fast vergessene „Heart Full of Holes“, das sich mit den jubilierenden Bläsern im vielstimmig gesungenen Refrain zu einem Walzer aufschwingt. Aber es ist auch ein Song, der zwischendurch immer wieder zu verplätschern droht.

Egal: Knopfler will kein Rockstar mehr sein, sitzt für einige Stücke auf einem Barhocker und plaudert über alte Zeiten, als er mit seiner Gitarre durch Großbritannien trampte und zu Heiligabend auf dem Weg nach Hause an einem verschneiten Verkehrskreisel herausgelassen wird. Die Sonne scheint auf eine herrliche Landschaft. Aber sonst – „only the stupid me“. „Matchstick Man“ vom neuen Album „Down the Road
Wherever“ ist der Song dazu.

Und heute? Vor allem mehr Gitarren. Knopfler wechselt munter zwischen Stratocasters und Dobros. Das Latin-Flair von „Postcards from Paraguay“ und das immer mehr Fahrt aufnehmende „Speedway at Nazareth“ sorgen für Abwechslung. Ganz zum Schluss gibt es die Instrumentalnummer „Going Home“ aus „Local Hero“. Die Musiker im Pulk, scheinbar in einer Diskussion, was als letzte Zugabe gewählt werden könnte. Putzig, steht die Setlist doch längst fest.

Auch wenn der sitzende Knopfler über das Älterwerden sinniert, im Sommer wird er 70, wird er noch weitere aus der Zeit gefallene Lieder aufnehmen, die viele Menschen live hören möchten. Besonders wegen dieses schwebenden und lässig swingenden Gitarrensounds. 10 000 füllen am Donnerstagabend die bestuhlte Tui-Arena. Doch nach der Tour wird sich Knopfler ein ruhiges Plätzchen an der schottischen Küste suchen und den Sternenhimmel betrachten. Ganz bestimmt.



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