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Die Mozart-Hommage des Hagener Tanz-Ensembles im Theater Hameln setzt auf Inhalt – dem Publikum gefällt das

Locker getanzt, was sonst in Bewunderung erstarrt ist

Hameln. Ein ungewöhnliches Erlebnis, als Ricardo Fernando mit seiner Hagener Tanzcompagnie zum ersten Mal im Theater Hameln gastierte. Im TAB – und auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Gleichermaßen fremd und faszinierend. Auch für das Ensemble, das eher selten den Besuchern so nah auf die Pelle rückt. Und jetzt, am Mittwoch, wieder „Station der Hoffnung“, aber diesmal im Großen Haus. Die Bühne gehört dem Ensemble. Fernando lässt sich viel Zeit für seine filmische Einstimmung auf großer Leinwand. Menschen, Koffer, Züge. Bahnhofsatmosphäre im Flimmerstil. Dann das Ensemble, drei Paare, zusammengewürfelt aus unterschiedlichen Ländern. Auf Reise, fremd in der Fremde. Begegnungen und Koffer als Symbol für Unbehaustsein.

veröffentlicht am 13.01.2011 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:21 Uhr

Und dann noch ein bisserl Mozart: „Amadé“ mit dem Ballett des Theaters Hagen.  Foto: Stefan Kühle

Autor:

Richard Peter
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Fernando erzählt keine zusammenhängende Geschichte – illustriert sparsam Situationen. Arbeitet stilistisch mit Wiederholungen. Und hat für seine Choreografie eine ebenso beeindruckende wie berührende Musik-Collage zusammengestellt. Musik von Philipp Glass, Manu Chao – vor allem aber portugiesische Faso mit Misia und russisches und türkisches Liedgut. Dennoch: Die Dichte der ersten Aufführung konnte durch die Distanz zur Bühne nicht mehr so eindringlich erreicht werden – und die vielen Wiederholungen, weil sich halt so vieles wiederholt im Leben, lassen Spannung verlieren.

Speziell für Hameln hat Hagens Ballettchef seine Choreografie, die bereits 2008 entstanden ist, mit Szenen aus seinem neuen Projekt „Amedé“ gekoppelt, das in Hagen mit Strawinskys furiosem „Feuervogel“ getanzt wird. Eine Hommage an das geniale Salzburger Wolferl, das so herrlich versaut und kindisch sein konnte und dennoch seine einzigartige Musik schuf.

Ob in der Figaro-Ouvertüre, wenn das Ensemble den Takt mitdirigiert oder sich flohgebissen kratzt, aber auch in dem traumhaft schönen Andante aus dem C-Dur-Klavierkonzert – leider eine wenig geglückte Einspielung – Fernando bedient den Rhythmus. Ausschließlich. Auch im „Laudate Dominum“ – von Marilyn Bennett wunderschön mit vielen reizvollen Schattierungen gesungen – verlässt sich Hagens Ballettchef auf die Musik, losgelöst von ihrer inhaltlichen Bedeutung. Nimmt locker und komisch, manchmal sehr artifiziell mit vielen Rückgriffen auf klassische Formen, was oft so ernst geboten wird. Mozart hält’s allemal aus – aber als Hommage an das Salzburger Genie ist diese willkürliche, auch stark gekürzte Auswahl dann doch ein bisschen wenig. Immerhin: Dem Ensemble hat es sichtbar Spaß gemacht. Und dem Publikum nicht weniger.



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