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Spiel-Film: Zum Gruselklassiker „Nosferatu“ zeigte Margrit Wischnewski ein skurril-parodistisches Figurentheater

Liebenswertes Kuddelmuddel mit Anti-Vampir-Bonbons

Hameln. „Wuu-huuuuu, wu-huuu-hu“, heult es im Saal der Sumpfblume. Warum? Leitwölfin und Figurenspielerin Margrit Wischnewski aus Schwerin zeigt am Donnerstag zu Ausschnitten aus Murnaus 1922 gedrehtem Gruselklassiker „Nosferatu“ ihr fantasievolles Film-Spiel, ihren skurrilen Spiel-Film. Mit Wolfsgeheul und flackernden Scheinwerfern bringt sie die Zuschauer der Reihe „Verführerische Abende – magische Momente“ in die richtige Horror-Stimmung. Natürlich augenzwinkernd.

veröffentlicht am 23.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:21 Uhr

Autor:

Julia Marre
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Dass es kein normaler Filmabend werden wird, war schon vorher klar. Dass es kein übliches Puppentheater ist, stellte sich auch schnell heraus. Wenn Margrit Wischnewski, die beim Sommerfestival „Kultur in den Höfen“ mit einem selbstironischen Figurentheater überraschte, den Horrorfilm auf die Bühne bringt, dann ist das vom schnöden Kasperletheater so weit entfernt wie Transsilvanien von Wisborg. Vielmehr ist es ein theatralisches Kuddelmuddel zwischen Komödie und Lehrstück. Im (selbstverständlich) schwarzen Kleid und in mit Pailletten bestickter Jeansweste steht die Puppenspielerin neben der Leinwand, spricht mit dem imaginären „Herrn Filmvorführer“. Den auf Bram Stokers Romanvorlage „Dracula“ basierenden Streifen, der vom pestbringenden Vampir Nosferatu, vom Makler Hutter und dessen furchtsamer Frau Ellen handelt, ergänzt Margrit Wischnewski: Über einen Overheadprojektor schiebt sie detaillierte Scherenschnitte. Vor die Leinwand hält sie das immer weiter am Horizont verschwindende Schiff, während sie „Eine Seefahrt, die ist lustig“ anstimmt. Am Mikro legt sie den Filmfiguren teils ironische Zitate in den Mund.

Grauenhaft? Das ist das genreübergreifende Spiel keineswegs. Den Charme ihrer Inszenierung schöpft Margrit Wischnewski aus dem Nicht-Perfekten: Da rumpelt es schon mal laut im Requisiten-Arsenal hinter der Leinwand. Da galoppiert das aus einem Pappkarton wiedergeborene Pferd falsch herum. Da sind die Kommentare zum Film nur selten synchron. Wer sich darauf einlässt, kein bierernstes Murnau-Theater, sondern die liebevolle Version einer Filmliebhaberin zu sehen, hat seinen Spaß – auch wenn die anderthalbstündige Aufführung anfangs weder ein Ziel erkennen noch einen Spannungsbogen ausmachen lässt. Besonders schön: das parodistische Happyend, als die schlafwandelnde Ellen und der schreckliche Nosferatu sehnsuchtsvoll zu Nancy und Frank Sinatras „Something Stupid“ aufeinander zugehen.



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