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New-York-Stipendiat Dostal nutzt alte Filmtechniken für neue Effekte – und macht sein Publikum zum Akteur

Leuchtende Illusionen

Hannover. Wie können vier Federn als Leinwand eines Films dienen, der darauf von zwei Seiten zugleich projiziert wird? Wie kann ein Zuschauer einen Film blockieren und damit einen anderen sichtbar machen? Wie können zwölf Leute gleichzeitig zwölf Filme betrachten, ohne dabei zugleich dieselben Bilder zu sehen? Vor so bizarre Aufgaben stellt Tobias Dostal sich und sein Publikum – und löst diese Rätsel mit den raffinierten Installationen, die der Kunstverein Langenhagen ab heute zeigt.

veröffentlicht am 17.12.2014 um 16:03 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Daniel Alexander Schacht
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Auf den ersten Blick geht es dort in der neuen Ausstellung „LED The Sunshine“ zu wie in einer Werkstatt aus der Pionierzeit des Kinos. Vier alte Projektoren rattern, Flügelblenden zerhacken Lichtstrahlen, Schwarz-Weiß-Bilder flackern auf weißen Wänden. Und auf einem Tisch rotiert eine riesige Walze mit 480 Einzelbildern – ein gigantisches Daumenkino. „Expanded Cinema“ wurden derart experimentelle Projektionen schon in den sechziger Jahren genannt. Tobias Dostal, ein Retrokünstler mit nostalgischem Hang zum Analogzeitalter?

Auch. Aber nicht nur. Wer sich mit dem 32-Jährigen unterhält, erfährt, dass sich die Entwicklung seiner künstlerischen Arbeit in die Zeit vor und in die Zeit nach jenem Jahr in den USA einteilen lässt, das ihm das New-York-Stipendium der Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen ermöglicht hat. „Die Illusionsmaschine Kino hat mich schon immer fasziniert.“ Und dabei besonders jene Phase, als die Bilder gerade laufen gelernt hatten und zauberhaftes Jahrmarktsspektakel waren.

Dostals New-York-Erfahrung hat ebenfalls gleich mehrfach filmische Dimensionen. „Man kommt in die Stadt, die man schon aus tausend Filmen kennt, vergleicht die Eindrücke mit den Bildern im Kopf und fragt sich: Was ist real, was ist surreal?“ Außerdem hat er in New York, einer Hochburg des „Expanded Cinema“, neue Projektionsweisen aufgegriffen – und zeigt nun in Langenhagen analoge Filme auch mit digitaler Technik. Zu sehen ist da „Voyage avec Néné“, ein 54 Einzelbilder kurzer Film, der sich aus den Bildwürfen von 18 LED-Projektoren zusammensetzt. Oder ein im „Tobiskop“ laufender Loop, also eine Endlosfilmschleife, die ein Stroboskop 18-mal in der Sekunde erhellt – was die analoge Unterbrechertechnik der im Lichtstrahl kreisenden Flügelblende ersetzt. Und ein „Blockbuster“ genannter, zwei mal zwei Meter großer, mit Stroboskoplicht illuminierter Rahmen, in dem zwölf Filmschleifen parallel kreisen – und keine zwei Betrachter zeitgleich denselben Ausschnitt dieser Loops sehen können.

„Tobias Dostal: LED The Sunshine“ ist bis zum 1. März 2015 im Kunstverein Langenhagen, Walsroder Straße 91 A, zu sehen. Öffnungszeiten: Mi. bis So. von 14 bis 17 Uhr.



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