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Theater für Niedersachsen mit dem Musical „Die Brücken am Fluss“

Leidenschaftliche Tage

HAMELN. Egal, in welcher Schublade die so anrührende Story auch landet – Rührstück, Melodram, Kitsch oder Schnulze: „Die Brücken am Fluss“ überwältigt.

veröffentlicht am 20.09.2018 um 17:02 Uhr

Robert fühlt sich unwiderstehlich zu Francesca hingezogen – und auch sie kann sich ihm nicht entziehen. foto: jochen quast
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Autor

Richard Peter Reporter

Schon als Roman, den Robert James Waller Anfang der 90er Jahre angeblich in nur zwei Wochen geschrieben hat und dann drei Jahre die Bestsellerliste der New York Times dominierte. Natürlich die Verfilmung 1995 mit Clint Eastwood, der auch die Regie führte und Meryl Streep als Francesca. Und 2014 am Broadway als Musical von Jason Robert Brown seine dritte Karriere startete.

Die Geschichte einer übergroßen Liebe. Ein Paar, nicht mehr ganz jung, erlebt vier leidenschaftliche Tage. Francescas Familie, ihr Mann und die beiden pubertierenden Kinder präsentieren auf einer Landwirtschaftsmesse einen Stier, den Töchterchen Carolyn aufgezogen hat. Francesca bleibt zu Hause, trifft hier auf Robert, einen Fotografen, der sich auf dem Weg zur „Roseman Bridge“, einer alten überdachten Brücke verfahren hat. Er bleibt, von ihr eingeladen, zum Essen, das sie gemeinsam kochen.

Beginn einer leidenschaftlichen Affäre. Robert, seit Jahren für „National Geographic“ weltweit unterwegs, fühlt sich unwiderstehlich zu Francesca hingezogen – und auch sie, in Neapel geboren, wo sie ihren Mann, der hier als Soldat stationiert war, kennenlernte und ihm auf seine kleine Farm in Iowa folgte, kann sich ihm nicht entziehen. Mit Robert hat sie das Gefühl, noch einmal eine Chance zu bekommen, ihr Leben zu ändern, dem Alltagstrott zu entkommen. Beide fühlen sich „restlos glücklich“. Doch die Familie kommt zurück, Robert muss nach New York. Beide kehren in ihr altes Leben zurück – ihr gemeinsamer Traum bleibt ein Traum.

Kein einfaches Stück, eine Gratwanderung, die immer Gefahr läuft, ins Sentimentale abzurutschen. In der Inszenierung des Theaters für Niedersachsen am Mittwochabend auf der Hamelner Theaterbühne, hat Craig Simmons mit Marysol Ximenez-Carrillo als Francesca und Gerald Michel als Robert so etwas wie ein Traumpaar – gleichermaßen als Sänger und Darsteller. Kein Moment, in dem auf die Tränendrüse gedrückt würde – ein eher scheues Pärchen, das in ein Glück rutscht, mit dem es nicht mehr gerechnet hat. Ihre Liebe auskostet und nach vier glücklichen Tagen aus einem großen Traum erwacht.

Aber nicht nur die beiden Protagonisten als ideales Paar – Katharina Schutza als Francescas Freundin Marge hat einen hinreißenden Song wie auch Jens Krause als ihr Mann Charlie, ebenfalls mit einer wunderbaren Stimme, die so sitzt, dass sie von keinem Orchester zugedeckt werden könnte. Auch sie wunderbare Darsteller, wie auch Alexander Prosek als Richard, der von allen nur „Bud“ genannt wird, dem Brown aber nur selten Gelegenheit gibt, seine Stimme einzusetzen. Mit am Erfolg beteiligt auch das übrige Ensemble in unterschiedlichsten Rollen – vor allem aber auch die achtköpfige Band unter Andreas Unsicker, die ein ganzes Orchester ersetzt. Perfekt die Umbauten der Versatzstücke, die Simmons mit dem Ensemble choreografiert.

Der überwältigende Erfolg der Story aber: geweckte Sehnsüchte und ausgeträumten Träumen eine neue Chance gegeben. Und sei es nur für ein paar Stunden.



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