weather-image
25°
Kabarettist Stephan Bauer ist Insider unterhaltsamer Lebenskomik

Lachsalven im Kurtheater

BAD PYRMONT. Minimale Bühnenausstattung mit nur einem im Scheinwerferlicht wartenden Barhocker reicht Stephan Bauer, um die Aufmerksamkeit seines Publikums voll auf sich zu konzentrieren. So steht dieses Mannsbild auf der Bühne des Kurtheaters und fragt keck in das Dämmerlicht des Theatersaales, ob man ihn zu dick finde. Sofort einsetzende Kommentare von Frauen gehen in lautstarkem Gelächter unter. Eine Männerstimme setzt sich durch und bemerkt treffend: „Das Hemd ist nur zu eng“, was wiederum verbale Reaktionen aus dem Saal anheizt.

veröffentlicht am 04.04.2017 um 16:15 Uhr

Stephan Bauer weiß auch mit kunstvollen Pausen und mit entsprechender Mimik zu erheitern. Foto: ti
Avatar2

Autor

Klaus Titze Reporter
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vielleicht ist das zu enge Hemd auch der Grund, warum der Insider ehelicher Lebenskomik nur spärlich die Sitzmöglichkeit des Hockers nutzt. Doch ihn nur hierauf zu reduzieren, würde seinem Programm nicht gerecht werden. Dafür ist der Abend einfach zu unterhaltsam mit Kalauern, Pointen und trefflichen Beschreibungen des alltäglichen Daseins gewürzt. Das Publikum quittiert es mit Lachsalven oder kurzen witzigen Dialogen, wenn Bauer es mal wieder rhetorisch und verschmitzt befragt. Dabei hat er offensichtlich in diesen angesprochenen Lebensfragen sachkundige oder auch erfahrene Zuhörer vor sich, die in der Vielzahl nicht nur einer entsprechenden Altersgruppe zugehörig sind, also sich mit dem Ehealltag und den Dingen, die so Mann und Frau betreffen können, auskennen, sondern auch feinste Nuancen alltäglicher Lebenskomik erkennen und das mit quiekenden Jauchzern bestätigen. So reagiert das Publikum zum Beispiel auf den Begriff des „Wischmobbings“, wenn der Mann, wie Bauer trefflich beschreibt, brav gebügelt und Staub und Boden gewischt habe und dann die Frau mit einem Wischtuch hinterhergehe.

Die sprichwörtliche Redseligkeit der Frauen darf bei dem Kabarettisten nicht fehlen, die nach seinem Bekunden oft genug in Rechthaberei übergehe. „Ein Mann hat eine Meinung“, setzt er an, um gleich darauf eine kurze Pause einzulegen, was wiederum den Saal zu Gelächter reizt, scheinbar wissend, was gleich kommen wird. „Ein Mann hat eine Meinung und weit und breit ist keine Frau in der Nähe. Hat er dann trotzdem Unrecht?“ Und er fährt fort: „Da wir Männer unter der verbalen Dominanz unserer Frauen leiden, gebe ich folgenden Rat. Sollte es ihr angesichts eines pittoresken Dorfes regelrecht die Sprache verschlagen – bleiben Sie da!“

Neben einer Vielzahl von Situationen, die mit der sexualen Umgangsweise von Partnern zu tun haben, bleibt auch die angebliche Vorliebe der Frauen für kleine Hunde nicht unerwähnt. So landet er beim Mops. „Diese kackende Nackenrolle auf vier Beinen, die mit seinen Stummelbeinen nicht weiterkommt, weil sie auf ein Kaugummi getreten ist“, kann er das mit Worten gezeichnete Bild gegen das einsetzende Gelächter kaum zu Ende bringen. Der Hund sei so dumm, wenn man dem drei Stunden lang endlich „Sitz“ beigebracht habe, dann habe der vergessen, wie Stehen gehe. So verläuft ein launiger Abend vollgepackt mit Schenkelklopfern und mit eifriger Interaktion zwischen dem Künstler und seinem Publikum, das ihm mit spitzfindigen Kommentaren und Zwischenrufen Stichworte für einen nächsten Gag zu liefern scheint.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare