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Am 17. November spielt der Sinti-Jazz-Musiker in der Sumpfblume

Kussi Weiss: Der Gitarrist mit dem richtigen Gehör

HAMELN/HILDESHEIM. Kussi Weiss zählt zu den großen Sinti-Jazz-Musikern von heute. Bevor er am 17. November in der Sumpfblume mit dem Kussi-Weiss-Quartett auftritt, haben wir dem Musiker einen Besuch an der Münchewiese in Hildesheim abgestattet.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 13.11.2017 um 12:08 Uhr

Kussi Weiss (li.) vor dem Wohnwagen seines Großvaters Laubmann Weiss mit seinem Cousin Sascha Weiß aus Hameln. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Die Lily-Franz-Straße, benannt nach einer Sintezza, die den Holocaust überlebte, in Hildesheim ist eine Welt für sich: Vor vielen der kleinen weißen Häuser an der Münchewiese stehen Wohnwagen oder Wohnmobile und Lieferwagen. Autos fahren betont langsam, auch ohne Spielstraßenschild, Ortsfremde werden aufmerksam beäugt. In der kleinen Straße, mitten im Gewerbegebiet, wohnen nur Sinti. Kussi Weiss ist einer von ihnen. Freundlich empfängt der 40-Jährige den Pressebesuch aus Hameln in der Eingangstür seines Hauses. Nur Sparky, der kleine Jack-Russel-Terrier, knurrt die Fremden misstrauisch an. „Ist ja gut“, sagt Weiss und krault den Terrier am Kopf.

Kussi Weiss ist Musiker. Seit seinem elften Lebensjahr spielt er Gitarre. Zuhause war die Musik allgegenwärtig. Durch seinen Vater, seinen Onkel und Großvater Laubmann Weiss. Der Wohnwagen von Laubmann Weiss, er starb im Alter von 92 Jahren, hat sich über seinen Tod hinaus erhalten. Heute ist der Wagen wie ein kleines Museum, das besichtigt werden kann.

Kussi Weiss und sein Cousin Sascha Weiß (48) aus Hameln machen es sich in dem Wohnwagen auf dem Sofa bequem und fangen an zu spielen: „Minor Swing“ von dem berühmten Gitarristen Django Reinhardt, den Wegbereiter des europäischen (Sinti-)Jazz. Jährlich findet in Hildesheim das Django-Reinhardt-Festival statt – mit Kussi Weiss als Stammgast. In seiner Jugend, besonders in den Lehrjahren, habe er so viel Django gehört, dass er ihn sich heute gar nicht mehr anhöre. Überhaupt höre er sich kaum noch Gitarristen an, dann lieber Jazz-Pianisten, wie Oscar Peterson oder Errol Garner, und querbeet, von Soul-Legenden wie Marvin Gaye über Rock-Größen wie Santana bis zu Mozart und Bach. Durch seine Kinder, 20 und 14 Jahre alt, bekomme er auch viel Rap zu hören. Inspiration finde er überall, sagt er.

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Im Wohnwagen fangen Kussi Weiss und sein Cousin Sascha Weiß aus Hameln an zu spielen: „Minor Swing“ von dem berühmten Gitarristen Django Reinhardt. Foto: pk
  • Im Wohnwagen fangen Kussi Weiss und sein Cousin Sascha Weiß aus Hameln an zu spielen: „Minor Swing“ von dem berühmten Gitarristen Django Reinhardt. Foto: pk

Trotzdem, Django Reinhardt ist in seiner Musik allgegenwärtig. Er interpretiert ihn immer wieder neu, „mit anderen Harmonien und Rhythmen“. Auf seinen Alben, die er bislang veröffentlicht hat, sind neben Sinti-Jazz folglich auch Einflüsse wie etwa Bossa Nova oder Funk rauszuhören. Zudem spielt er eigene Titel. Sein Handwerk gibt er an die nächste Generation weiter. Er gibt Musikunterricht. Aber Notenlesen hat er nie gelernt. Sein Sohn Moreno schon, er spielt E- und Kontrabass. „Noten lesen zu können, macht Vieles einfacher, aber ohne das richtige Gehör, hilft es dir auch nichts“, sagt Kussi Weiss.

Neben seiner Familie ist ihm die Musik das Wichtigste in seinem Leben. Und bei aller Technik, die zur Beherrschung eines Musikinstruments nötig ist, gehe es am Ende vor allem immer um das Gefühl, das dabei entsteht. „Musik kann dich zum Lachen bringen, aber auch zum Weinen“, sagt Kussi Weiss.

Gemeinsam mit seinem Cousin Sascha ging er schon als Jugendlicher viel auf Tour, teilte sich mit Sinti-Jazz-Größen, wie Jimmy Rosenberg oder Häns‘che Weiss die Bühne. Durch seine Verwandtschaft in Hameln führte es ihn auch immer wieder auf die Bühnen der Rattenfängerstadt. Aber wohin es ihn auch verschlägt, am Ende zieht es ihn immer zurück an die Münchewiese. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, hier einmal wegzuziehen“, sagt er. „Hier bin ich frei, niemand stört sich an meiner Musik, im Gegenteil: Die Leute hören mir zu.“

Am Freitag, 17. November, um 20 Uhr spielt das Kussi-Weiss-Quartett, bestehend aus Tschabo Franzen (Gitarre), Dietmar Osterburg (Kontrabass), Hugo Richter (Akkordeon/Piano) und Kussi Weiss (Lead-Gitarre) in der Sumpfblume – und: „mit zwei Hamelner Überraschungsgästen“, kündigt Kussi Weiss an.

Tickets gibt es für 10 Euro im Dewezet-Ticketshop, in der Sumpfblume, in der Ticketfabrik im HefeHof, in der Buchhandlung von Blum und auf www.reservix.de, Abendkasse 12 Euro.

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