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Happening mit Bernd Schlüter am Hamelner Wilhelmsplatz

Künstler des Banalen

HAMELN. Da standen sie vor der Litfaßsäule am Wilhelmsplatz – elf Freunde, die dennoch nicht Fußball spielen wollten. Stattdessen eine Kunst-Aktion, eine Art Happening, in der die Besucher die Hautrolle übernehmen sollten. Eine unschuldig weiße Säule, die nun mit Plakaten beklebt wurde, die Bernd Schlüter, langjähriges Mitglied der Künstlergruppe „arche“, hatte drucken lassen.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 17:35 Uhr

Elf Freunde haben sich an der Litfaßsäule zusammengefunden, um das Schlütersche Kunst-Event zu bestreiten. foto: pr

Die Idee für die gleichermaßen spektakuläre wie bewusst klein gehaltene Aktion: ein Sturm im März, der übereinandergeklebte Plakate von den Säulen riss, die als Fragmente nun wirr herunter hingen. Schlüter radelte zufällig daran vorbei – und das fotografische Auge witterte spontan reiche Beute. So begann er zu fotografieren, setzte die so bunte Fetzen-Landschaft ins Bild. In unendlich viele Bilder, denn einmal auf der Spur, fand er noch neun weitere Hamelner Litfaßsäulen, die ebenfalls pittoreske Opfer des Sturms geworden waren.

Daraus entstand ein Buch – ein Unikat – das die Sturm-Kunst dokumentiert. Und daraus wieder entstand die Idee für das eigenwillige Schlütersche Kunst-Event am Samstag, 18 Uhr, am Wilhelmsplatz. Und als hätte er für seine Schau das Wetter nach einem sonnensatten Sommer bestellt, zogen sich dunkle Wolken am Himmel zusammen. Schlüter als sein eigener Laudator und Moderator einer Performance, die das Motto „von der hohen zur niederen Kunst im 20. Jahrhundert“ real umsetzte. Den Litfaßsäulen sozusagen „ihre Bilder“ zurückgeben wollte.

Da standen sie nun, die unfreiwilligen Akteure und sollten die Säule mit Kunst des Banalen – aber eben auch „Realem“ – neu gestalten. In zwei Phasen – erst den unteren Teil der Säule mit fünf Foto-Plakaten bekleben, dann den oberen Teil. Vor allem aber: Kisten Bier und liebevoll belegte Stullen.

Genau damit begann auch die Arbeit: trinkend und kauend, während Maestro Schlüter zeigte, wie die Chose zu funktionieren hat, aber mit Leim geizte und so immer wieder nacharbeiten musste. Dann die Besucher – und wie das so ist: einer arbeitet – der Rest fühlt sich als Experte. Dennoch auch Zusammenarbeit – und klar doch: zu jedem geklebten Plakat gesellte sich Erfahrung. Auf der Leiter, neben der Demonstration, dass Kunst schlicht Arbeit macht, Bruno Täuber, abgelöst von Holger Hagemann – und immer seltener, dass nachgeleimt werden musste. Und auch hier verdientes, sozusagen erarbeitetes Glück: denn ohne den arbeitstechnischen Fortschritten wären die letzten beiden Plakate im Regenguss auf der Klebe-Strecke geblieben.pe



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