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Hamburg/Hameln. Berlin 1936. Der zwölfjährige Heinz Schumann ist fasziniert von einer Musik, die erst kürzlich aus den USA importiert ist. Sie klingt nach Freiheit und drückt für ihn ein Lebensgefühl aus: der Swing.

veröffentlicht am 21.09.2012 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Jürgen Schoormann
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Drei Jahre später bekommt er sein erstes Engagement als Schlagzeuger, spielt in Berliner Bars, wechselt zur Gitarre. In den Straßen Berlins ist inzwischen Marschieren angesagt. Swing zu spielen und zu tanzen, ist verboten. Die Nazi-Spione tauchen in den Lokalen auf, aber meist kündigen Freunde, die Schmiere stehen, ihr Kommen an. Die Band wechselt übergangslos von „How high the Moon“ zu „Rosamunde“: Betonung der Takte 1 und 3 statt 2 und 4. Und dazwischen liegen Welten.

Kai Ivo Baulitz hat aus dem ersten Teil der Autobiografie Heinz Schumanns das Theaterstück „Der Ghetto Swinger“ gemacht, das vor kurzem an den Hamburger Kammerspielen seine Premiere gefeiert hat und vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus bedacht worden ist. Baulitz rekonstruiert die Geschichte des Jazzmusikers Coco Schumann: Darin geht bis 1943 alles gut, aber dann zerbricht die heile Musikerwelt. Als Halbjude und Swingmusiker wird Schumann verhaftet und ins Konzentrationslager Theresienstadt eingeliefert. Und ausgerechnet die Musik rettet ihm das Leben. Mit seiner Band „Die Ghetto Swinger“ muss er dazu beitragen, dem KZ einen freundlichen Anstrich zu verleihen.

Gil Mehmert hat das Musiktheaterstück inszeniert und für ein rasantes Tempo wechselnder Szenen gesorgt. Sieben Darsteller, die zugleich Musiker und Schauspieler sind, spielen über zwei Dutzend Rollen, allen voran Konstantin Moreth in der Titelrolle.

Durch die Handlung führt die wunderbare Helen Schneider als Barsängerin Rosa im eleganten Schwarz. Mit ihrer wandlungsfähigen Stimme interpretiert sie sehr unterschiedliche, jeweils zeittypische Lieder. Sie ist es auch, die in der Rolle einer französischen Freundin Schumann den Namen „Coco“ verpasst, da sie seinen Vornamen Heinz nicht aussprechen kann.

Zwei sehr unterschiedliche Teile hat Mehmerts Inszenierung: Dominieren im ersten die unterhaltsamen Elemente, so gibt es nach der Pause eher beklemmende Szenen, und das Publikum bekommt eine Ahnung von der irrwitzigen Situation im KZ, wenn die „Ghetto Swinger“ „La Paloma“ anstimmen müssen, während Menschen in die Gaskammer getrieben werden.

Am 30. April 1945 befreiten die Amerikaner Schumann aus dem KZ. Er hat überlebt, seine Musik hat ihn gerettet. Noch heute, als fast 90-Jähriger, greift er in Berliner Bars hin und wieder zur Gitarre und spielt seine geliebte Musik: den Swing.

Am Mittwoch, 26. September, gastieren die Hamburger Kammerspiele mit „Der Ghetto Swinger“ im Theater Hameln. Die Aufführung beginnt um 20 Uhr.

Wie Swing in Theresienstadt Leben retten kann

Im Theater: Coco Schumanns Geschichte



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