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Hannover. Am Ende, als die Fans von Deichkind kaum noch können, da explodiert der Kindergeburtstag. Stagediving mit Riesenschlauchboot, auf der Bühne: Hüpfburg, Trampolin, Pyramide, „Yeah“-Fahne, „Yeah“-Luftballon, „Leider Geil“-Luftballon, Leuchthüte, Gehirn-Hüte, Riesenfass, Trimm-Dich-Rad, und und und. Dass die schweißnassen Fans im Innenraum der Halle zu „Remmidemmi“ jetzt noch zulegen können – Respekt.

veröffentlicht am 15.04.2015 um 19:32 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:36 Uhr

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Autor:

Gerd Schild
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Georg Büchmann hat im Jahr 1864 seine Sammlung der „Geflügelten Worte“ herausgebracht. Dort kann man bis heute auf ein paar Hundert Seiten nachlesen, woher denn des Pudels Kern stammt oder seit wann neue Besen gut kehren. Büchmann hätte seine Freude an Deichkind gehabt. Trägt die Hamburger Band doch seit Jahren einiges zur Alltagssprache bei. Die Deichkinder machen Sätze zu Parolen, die, – mit oder ohne Ironie – fast immer passen. „Arbeit nervt“, „(Krawall und) Remmidemmi“, „Leider geil“ und „Bück dich hoch“ sind nur einige Beispiele. Die frisch erschienene Single „Like mich am Arsch“, die fragt, ob wir eigentlich noch alle richtig klicken, hat auch schon diesen Weg eingeschlagen.

Das neue Album „Niveau Weshalb Warum“ hat es auf Platz 1 der deutschen Charts geschafft. Und es hat weitere Hits. „So ne Musik“ feiern auch die Fans in der Swiss Life Hall in Hannover, während Konfettibomben platzen, gehüpft und getanzt wird.

Auf der Bühne ergeben die von der Band entwickelten Omnipads ein immer neues Bild. Die großen Elemente in Schwarz und Weiß bewegen sich wie orchestriert über den Boden, dienen mal als Videoleinwand, dann wieder als Podeste für das Bühnensextett. „Ein bisschen Größenwahnsinn kann nicht schaden“ heißt es in „Denken Sie groß“. Bei „Bon Voyage“ können sich die älteren Fans erinnern, woher diese Band eigentlich kommt. Vor 15 Jahren forderte Deichkind im Song die Zuhörer auf, mal die Ohren zu spitzen, weil diese Band einmal groß rauskommen werde. Fast klassisch im Hip-Hop gestartet, entwickelte sich Deichkind zu einem Mischmasch mit viel Elektropunk.

Die Klasse dieser Band zeigt sich auch darin, dass sie noch da ist – manche hatten sie als Lieferanten schnell verpuffender Party-Soundtracks der Nuller-Jahre abgetan. Aber Deichkind entwickelt das grelle Neon-Spektakel einfach immer weiter. Pumpende Beats, schöne Samples und auch mal, wie auf dieser Tour, ein stimmlich nah am Original von Frankie Goes To Hollywood gesungenes „The Power of Love“, das Tausende Fans in der Halle inbrünstig mitsingen. Die Texte sind ohnehin auf der Höhe, verspielt, ohne nur durch Worte gefallen zu wollen. „Bück dich hoch“ ist ein schönes Stück Kapitalismuskritik, „Arbeit nervt“ sowieso („Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers“), „Illegale Fans“ ein wummerndes, tiefgründiges Stück über berechtigtes Urheberrecht und die unberechtigte Kriminalisierung von Fans.

Die Wortspiel-Wahnsinnigen können es aber auch ganz direkt. Zu „Rollt das Fass rein“ zieht die Band auf einem kleinen Wagen durchs Publikum, während auf der Bühne ein Riesenfass platziert wird. Die sechs tragen jetzt weiße Trainingsanzüge mit dickem schwarzen Aufdruck: „Refugees Welcome“. Flüchtlinge sind willkommen, kein Mensch ist illegal. Steht so auch noch nicht im Büchmann.

Gehirn-Hüte und Wortspiel-Wahnsinn

Deichkind feiert Kindergeburtstag in Hannover – mit Konfettibomben, Hüpfburg und Tiefgang



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