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Hameln. Gala – das ist fast immer auch ein bisschen die Rosinen aus dem Kuchen gepickt. Am stärksten in einer Opern-Gala, wenn Arie auf Arie folgt – aber auch das Ballett kennt diese Dramaturgie. Oft als Stücke im Stück, die als Divertimenti oder dem berühmten Pas de deux bei Ballett-Fans für Begeisterung sorgen. Tanz-Gala als Eröffnung der 5. Hamelner Tanztheatertage am Sonntagabend im so gut wie ausverkauften Theater. Allein, dass sie stattfand, ist ein kleines Ereignis für Hameln. Verdienst auch unserer ballettbegeisterten Theaterchefin Dorothee Starke, die das Hagener Ballett unter Ricardo Fernando zu „unserem Ballett“ machte und versicherte: „So viel Tanz war nie“. Und mit der Gala zusätzlich die Stiftung Tanz unterstützt, die sich um Tänzer kümmert, wenn sie mit etwas über 35 Jahren gezwungen sind, eine neue, andere Karriere zu starten.

veröffentlicht am 24.03.2014 um 17:40 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Reizvoll die Eröffnung mit einer Filmsequenz aus dem Ballettsaal – zuerst auf den Vorhang projiziert, bis Fernandos Compagnie vor Spiegelflächen vervielfältigt, ihre Tanzminiaturen vorstellte. Schon hier: Paare. Das Thema des Abends, auch wenn bei Fernando immer wieder das Ensemble zum Einsatz kommt. Die „Reflections“ des Balletts Eisenach – minimalistisch eingespielte Töne von Milko Lazar. Posen, Spiel der Hände, sehr geführt – ein ästhetisches Spiel zwischen Hingebung, Abstoßung und Anziehung. Das gilt auch für die Tanzcompagnie Gießen mit zwei Tänzern, deren Musikalität zur überwältigenden Körpersprache wird.

Hinreißend, von Fernando choreografiert, Midnight Lullaby mit Tiana Lara Hogan und Brendon Feeney zur Musik von Tom Waits. Eine Liebesgeschichte mit und auf Matratze. Ebenfalls faszinierend das TanzTheater Münster in der Choreografie von Hans Henning Paar „twin shadow“ zur Musik von Charles Ives und seinem „The Unanswered Question“ – Musik auf Streicher-Akkorden mit schrägen Trompetenstößen, wie sie seit Samstag, bildgeworden durch Gerhard Ausborn, vierfach im Kunstkreis zu sehen sind.

Nach der Pause: „Es ist wie es ist“ – und das Paar, konzentrierter noch, quasi als Scherenschnitt gespiegelt. Eine große Leistung von Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke, die sich selbst choreografierten. Auch hier: festhalten, wegstoßen – alles verspielt und behauptet: „Ich liebe Dich für das, was ich nicht bin“.

Von raffinierten Tempowechseln geprägt Fernandos „voices“ und viel Charme versprühend: „Die Kinder der Königin“ vom Ballett Koblenz mit Iskra Stoyanova und Rory Stead. Drehungen, bei denen die Zeit still zu stehen scheint. Dramatisch das „Salomé-Duett“ des TanzTheaters Münster mit den Texten aus Wildes „Salome“. Grande Finale mit Chatschaturians „Walzes“, die allemal nach Säbeltanz klingen.

Eine Tanz-Gala der Miniaturen – Bewegungs-Ballett mit raffinierten Abläufen, das sich immer stärker auf akrobatische Bravour verlässt. Bewegung auch ein bisschen als Selbstzweck. Aber immer Paare und die unendliche Geschichte ihrer Beziehungen.

„So viel Tanz war nie“

Gala zur Eröffnung der 5. Tanztheatertage des Hamelner Theaters

Vor Spiegelflächen vervielfältigt das Ballett Hagen seine Tanzminiaturen.

Brümmer

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