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Hameln. Götz Alsmann meint es ernst mit dem Schlager, aber er nehme sich und sein Tun nicht zu ernst. So erklärt sich seine Chuzpe, sich an Chansons, also französischem Volksliedgut, zu vergreifen. Mit seiner Herrenreisegruppe besetzt er das altehrwürdige Studio Ferber in Paris, um sich in Aufnahmepausen für ein Nickerchen auf Gainsbourgs abgewetztem Sofa zu lümmeln. Dabei passt Abgewetztes und Gelümmel so gar nicht zu dem adretten Münsteraner, der es sich im fast ausverkauften Hamelner Theater nicht nehmen lässt, die babyblauen Sakkos seiner Band wie auf dem Laufsteg zu präsentieren. Natürlich ist Alsmann am Donnerstag nicht nur Pianist, Sänger, Akkordeon- und Ukulele-Spieler, sondern unterhält in kunstvoll gedrechselten Sätzen mit wahren wie ersponnenen Anekdoten, die sich um Kindheit und Paris drehen. „Lieber Gott, mach, dass ich wie Gilbert Bécaud werde“, habe er als elfjähriger Knirps nach einem televisionären Erweckungserlebnis gebetet. Um während des letztjährigen Paris-Aufenthalts spätabends den Elefantenschlafanzug beiseite zu legen, sich gleich Fridolin aus Schnitzlers „Traumnovelle“ ins Nachtleben zu stürzen und in einer Bar auf all die längst verstorbenen Helden zu treffen: die Chevaliers, Aznavours und Constantines.

veröffentlicht am 16.03.2012 um 14:12 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Musikalisch versucht Alsmann gar nicht erst, in die Fußstapfen von Bécaud oder Brel zu treten. Wie zuvor seine deutschen Jazzschlager aus den 40ern und 50ern, bekommen die französischen Lieder deutsche Texte und das bekannte Rumba-, Bossa-Nova- und Mambo-Flair. Alsmanns mitunter leicht seifige Intonation gibt die nötige Distanz, ohne zur Parodie zu werden. „Wenn es Nacht wird in Paris“ treibt es den Flaneur beschwingt ins „Café de la Paix“, wo der Wolf Cha Cha Cha tanzt. Paris als Stadt der Liebe erleben wir vom ersten Herzklopfen in Charles Trenets Kinderlied für Erwachsene („Bumm“), in „entrückten Augenblicken, in denen das Herz zerfließt“ (Dalidas „Liebe mich“) oder desillusioniert in Aznavours „Du lässt Dich geh’n“. Altfrid Maria Sicking (Vibrafon, Xylofon, Trompete), Markus Paßlick (Percussion, Baguette), Michael Ottomar Müller (Bass) und Rudi Marhold (Schlagzeug) kreieren einen perlend leichten Fluss, der in einen der schönsten Chansons mündet: Trenets „La Mer“/„Das Meer“. Ein Abend im Banne der Nostalgie. „Doch die schönsten Stunden sind vorüber und andere Menschen sind mir lieber“, singt Alsmann. Na dann: Leb‘ wohl, Goodbye, auf Wiedersehen!

Ansichten eines Clowns

Götz Alsmann beschwört den Zauber von Paris im Hamelner Theater

Zwischen Charles Aznavour und Dalida: Götz Alsmann, der Krawattenmann des Jahres 2004 und Münchhausenpreisträger 2010, im Theater Hameln. Foto: jed



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