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Hameln. Bei den einen ist der Terminkalender im Juni gut gefüllt, bei anderen herrscht gähnende Leere. Die einen sind die Fußballfans, die ihre Grillpartys bis 20.45 Uhr leergefuttert haben möchten und erst ab 21.30 Uhr wieder 15 Minuten Zeit für ein Halbzeit-Würstchen haben. Die anderen sind die Kulturveranstalter, die aus Angst vor Leere im Saal lieber nichts veranstalten. Ist das tatsächlich so?

veröffentlicht am 07.06.2012 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

Autor:

Julia Marre
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In der Sumpfblume sieht die Programmgestaltung in den kommenden Wochen so aus: „Bei uns gibt’s ganz viel EM“, sagt Geschäftsführerin Marion Komarek. Ein Flohmarkt steht noch im Terminplan des Kulturzentrums und zwei Kinofilme. Dass mehr nicht ist, „daran ist der Fußball schuld“, sagt Komarek. Im großen Saal und in der Raucherlounge der Sumpfe werden ab heute nicht nur alle Spiele mit deutscher Beteiligung übertragen. Ab dem Viertelfinale wird der Saal zum Fußballkino – ganz egal, ob die deutsche Nationalmannschaft dann noch im Rennen ist. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Leute wirklich am liebsten Fußball gucken. Da hat es gar keinen Sinn, ein Kulturangebot aufzustellen“, sagt die Geschäftsführerin. Der Saal werde freigehalten. Eine ähnliche Erfahrung scheinen viele andere Kulturzentren gemacht zu haben. „Alle zeigen Fußball“, so Komarek.

Und im Theater Hameln? Öffnet sich dort der Vorhang etwa auch für eine Leinwand? „Nein, wir orientieren uns nicht an Fußballspielen“, sagt Dramaturgin Katja Dittmann. Lediglich heute und morgen, am Auftakt-Wochenende der EM, werde auf Vorstellungen verzichtet. Für den 17. Juni – an diesem Abend spielt Dänemark gegen Deutschland – ist die Eigenproduktion „Gut gegen Nordwind“ auf der Studiobühne zu sehen. Die Erfahrung im Theater sei nämlich eine ganz andere: Das Publikum bleibt nicht etwa wegen eines Fußballspiels zu Hause. Sondern wegen des guten Wetters. Auch wenn das zurzeit nur Optimisten sehen und der Fußballschal durchaus auch eine funktionelle Rolle spielt.

„Der Trend ist tatsächlich, dass im Sommer weniger los ist“, erklärt Dittmann. Besondere Ereignisse und Premieren seien im Theater gut besucht. „Aber dass es bei manchen Aufführungen weniger Publikumsinteresse im Sommer wird, kündigt sich schon an.“ Zu finden ist im Sommer daher noch reichlich im Theater: „Bedingt durch unsere Eigenproduktionen, die im Juni und Juli Premiere feiern, ist bei uns diesmal viel los.“

Dass Jazzliebhaber lieber der Nationalmannschaft statt einer saxofonlastigen Band zuschauen, hat der Soziologe Pierre Bourdieu zwar nicht herausgefunden. Doch man ist beinahe versucht, Bourdieus Milieustudien um diese Notiz zu ergänzen. Denn auch das Lalu am Hefehof, bekannt für seine Jazzclub-Konzerte, hat sich bereits am vergangenen Wochenende bis Anfang September in die Sommerpause verabschiedet. Wegen des Fußballs etwa? „Nein, das hat damit nichts zu tun“, sagt Marc Görling, am Hefehof zuständig für die Pressearbeit. Im Sommer sei es erfahrungsgemäß ruhig – auch ohne Fußball.

Wenn heute die Fußball-Europameisterschaft angepfiffen wird, rollt der Ball. Drei Wochen lang. Aber wie verträgt sich Public Viewing mit Kulturveranstaltungen? Muss das Theater deswegen auf Besucher verzichten oder das Publikum auf Konzerte?

Ist der Fußball-Anpfiff ein Kultur-Abpfiff?

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Wie viele andere Kulturzentren in Deutschland rollt auch die Sumpfblume zur Fußball-EM den grünen Teppich aus – und zeigt Fußball statt Kulturprogramm. Montage: Dana



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