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Wolfsburg. Man kennt das von Peter Gabriel. Nach dem flotten Output der Nach-Genesis-Zeit ließ sich der Brite zunehmend Zeit. Drei Jahre bis „So“, sechs bis „Us“, zehn bis „Up“. Fehlanzeige seit 2002, was neue Songs angeht. Doch keine Deadline einer Plattenfirma zwingt den 62-Jährigen, nach dem Frühstück das weitläufige Grün seines Anwesens bei Bath zu überqueren, um zu seinen Real World Studios zu schlendern. Und weil er keine Lust hatte, an neuen Songs zu werkeln, griff er sich Lieblingssongs alter Helden wie Bowie, neuer Lichtgestalten wie Radiohead und anschließend seine eigenen. Nicht sein Technikpark sollte es richten, sondern die Zusammenarbeit mit John Metcalfe, dessen Klassik-Arrangements Gabriel begeisterten.

veröffentlicht am 07.05.2012 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Die Organisatoren der Wolfsburger Movimentos-Festwochen ließen sich auf dieses so sperrige wie spannende Konzept ein; sie luden Peter Gabriel als Stargast für ein Doppelkonzert am Sonntag und Montag in das denkmalgeschützte ehemalige VW-Heizkraftwerk ein. Anders als Sting, der vor zwei Jahren Orchester und Rockband zusammenbrachte, beschränkt sich Gabriel konsequent auf sein 45-köpfiges New Blood Orchestra unter der Leitung von Ben Foster. Live gespielt entfaltet sich im Kraftwerk der Klangkörper eindrucksvoll. Ganz zart und nuanciert in dem sich allmählich bis zum Violinen-Staccato vorwärtstastenden „Heroes“, an- und abschwellend im dramatischen „Darkness“ mit unvermittelten Ausbrüchen, erfrischend karg bei „Digging In The Dirt“. Spannend zu erleben, wie Gabriel den Afrofunk von „The Rhythm Of The Heat“ in rhythmische Streichersätze, dunkle Paukenschläge und spukigen Flüstergesang der Backgroundsängerinnen Rosie Doonan und Gabriel-Tochter Melanie umsetzt. Gabriels immer leicht belegt wirkende Stimme changiert sicher zwischen unheimlichem Sprechgesang und klagendem Falsett.

Seinen ersten Solohit „Solsbury Hill“ wollte Gabriel zunächst nicht neu aufnehmen. Verständlich für den Querkopf, kommt die umarrangierte Fassung der Ursprungsversion doch am nächsten – keine Herausforderung für den Meister. Immer dann, wenn mitgeklatscht oder wie bei der Zugabe „In Your Eyes“ (leider) mitgesungen werden kann, hält er sein Mikrofon quer, als erfülle er lässig die Publikumserwartungen. Keine Segways, begehbare Plastikkugeln oder Telefonzellen diesmal, dafür artifizielle Videoprojektionen.

Die Show ist die Musik. Und ein freundlicher Engländer, der sich mit deutschen Ansagen müht und fast allen Musikern namentlich dankt. Darunter auch Metcalfe, der sich mit Geige bescheiden unter das Orchestervolk gemischt hat, das seinen und Gabriels konsequenten Weg kongenial mitgeht.

Ein konsequenter Weg

Peter Gabriel und das New Blood Orchestra bei den Movimentos-Festwochen

Frisches Orchester-Blut für alte Lieder: Stargast Peter Gabriel hat in Wolfsburg seine Lieblingssongs im Gepäck. Foto: jed



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