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Hameln/Berlin. Für seltene Vögel und gefährdete Pflanzen ist das Prozedere selbstverständlich: Sie werden durch eine Rote Liste geschützt. Der Deutsche Kulturrat will auf dieselbe Art Theater und Museen, Jugendzentren und Bibliotheken vor der Schließung bewahren. „Unser Ziel ist es, den Verantwortlichen bewusst zu machen, wie wichtig diese Einrichtungen gerade für die Menschen in der Region sind“, sagt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. „Weil niemand gern auf so einer Liste steht, fängt oft schon bei den Vorgesprächen die Rettung der Institution an.“

veröffentlicht am 03.04.2013 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Nada Weigelt und Julia Marre
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Der Deutsche Kulturrat, Dachorganisation von mehr als 200 Bundeskulturverbänden, hat vor einem Jahr die Rote Liste gestartet. Darauf werden Kultureinrichtungen vorgestellt, die von Schließung bedroht oder gefährdet sind. „Die Beispiele machen die Auswirkungen der Sparpolitik sehr viel deutlicher, als wenn die Menschen nur trockene Zahlen lesen“, sagt Zimmermann. Die meisten Meldungen kommen übrigens von bedrohten Institutionen selbst. Der Kulturrat prüft dann die Sachlage und entscheidet über die Aufnahme in die Liste.

Auch das Theater Hagen, das erst Ende Februar sein Ballett „Dornröschen“ am Rathausplatz aufgeführt hat, ist auf der Roten Liste zu finden. Für das nordrhein-westfälische Haus ist zunächst eine Vorwarnung ausgesprochen worden – weil die klamme Stadt Hagen sparen muss und dem Theater infolgedessen Zuschüsse in Höhe von 850 000 Euro streicht. 500 000 Euro davon soll das Theater einsparen, indem es in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) umgewandelt wird. Wie würde es sich denn auf den Spielplan des Theaters Hameln auswirken, wenn Hagen in Schwierigkeiten geräte? „Sicherlich gibt es Alternativen, sodass wir nicht weniger Tanz machen würden. Aber die Hagener liegen uns einfach am Herzen, weil wir ihren Stil mögen und besonders finden“, sagt Katja Dittmann, Dramaturgin am Theater Hameln. Das Verhältnis zu Ricardo Fernando und seiner Compagnie sei sehr angenehm und freundschaftlich. „Diese gute Stimmung überträgt sich auch auf das Publikum“, so Dittmann.

Als „gerettet“ gilt laut Roter Liste mittlerweile die Nordwestdeutsche Philharmonie, die schon des Öfteren in der Konzertreihe „Dewezet Classics“ in Hameln gastierte. Sie war von Schließung bedroht, ist nun jedoch gesichert: weil die Stadt Minden Träger des finanziell angeschlagenen Orchesters bleibt und sich die ostwestfälischen Kreise, Städte und Gemeinden auf ein Finanzierungsmodell einigen konnten.

Alle zwei Monate wird die Situation aller Einrichtungen auf der Roten Liste überprüft. Dem Kulturrat werden sehr viele Institutionen genannt. „Wir könnten viel mehr aufnehmen. Aber wir wollen immer nur beispielhaft einige vorstellen, um den Handlungsbedarf deutlich zu machen. Es soll ja nicht eine reine Klagemauer werden.“

Für die kommenden Jahre befürchtet der Kulturrat einen wachsenden Druck auf kommunale Einrichtungen. Bei Städten und Gemeinden habe die allgemeine Sparpolitik die prekärsten Auswirkungen. „Weil die Kulturförderung zu den freiwilligen Leistungen gehört, wird hier am ehesten der Rotstift angesetzt“, sagt der Geschäftsführer. Eine Lösung sieht er in einer „neuen Art von Finanzzuweisungen an die Kommunen“.

Vom Aussterben bedroht

Auf der Roten Liste des Deutschen Kulturrats stehen Institutionen, die regelmäßig in Hameln zu sehen sind

Gerettet: Die Nordwestdeutsche Philharmonie war unter anderem 2011 bei den „Hamelner Konzerten“ im Theater zu sehen. Seine finanzielle Notlage hat das Orchester überwunden. Doch das Theater Hagen, das in Hameln häufig Ballettaufführungen zeigt, steht auf der Roten Liste des Deutschen Kulturrats.Archiv



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