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Die Backstreet Boys in der ausverkauften TUI Arena Hannover

Kreischen ist keine Frage des Alters

Hannover. Der erste Moment ist interessant. Können sie es noch? Sind sie noch so fit, dieses Level zu erreichen? Das Licht geht aus, und dann geht der Sturm los, und ist es ganz klar: Ja, sie können es noch – die Fans der Backstreet Boys schreien noch genau so laut wie vor 20 Jahren. Vielleicht ist das Wort „Eingangspegel“ doch für diesen Moment erfunden worden und nicht für einen technischen Begriff. Es klingelt richtig in den Ohren. Dabei stehen da vorn doch nur fünf Männer um die 40, die ihre alten Lieder singen. Aber so einfach ist die Sache dann doch nicht.

veröffentlicht am 24.03.2014 um 17:40 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Uwe Janssen
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Denn davor stehen 11 000 Menschen, die meisten davon Frauen, die schon getanzt und gejubelt haben, als Songs ihrer Lieblinge vom Band gespielt wurden. Und wenn, sagen wir, 10 000 Frauen gemeinsam das Geräusch machen, das Frauen machen, wenn sie eine Boyband sehen, dann klingelt’s halt in den Ohren, und der Techniker muss ganz schön am Ausgangspegel schrauben, damit man von der Musik überhaupt etwas hört. Fest steht: Kreischen ist keine Frage des Alters. Denn aus den Teenies von damals sind Erwachsene geworden. Die unten prosten sich mit Schaumwein zu und müssen morgen nicht zur Schule, sondern zur Arbeit. Trotzdem haben die Bedienungen an den Tresen vorsichtshalber Batterien von Plastiksektgläsern bereitgestellt, wie man es sonst hier eigentlich nur vom Biervorzapfen kennt.

Die oben trinken nicht, sie sind ja auch schon bei der Arbeit, und optisch muss man sagen: Von alten Säcken kann nicht die Rede sein. Nicht bei den fünf Typen und nicht bei ihren Klamotten, denn sie haben ihren Schlabberlook gegen schicke, eng geschnittene helle Anzüge getauscht. Die Bewegungen, die diese schlanken Herren da vorn vollführen, haben 20 Jahre auf dem Buckel und sind auch eher was für 20-Jährige. Aber sie funktionieren – und werden selbstverständlich in der Halle goutiert.

Die große Showtreppe passt zur großen Geste. Glutrot kann sie leuchten oder Miami-Vice-Türkis. Als „Incomplete“, die erste Monsterballade, durch die Mehrzweckhalle weht, liegen sich die ersten Damen auf den Tribünen schon nostalgisch in den Armen. Dann geht das Saallicht an, und Nick Carter kommt mit einem bemerkenswerten Satz an die Rampe: „Ihr wisst doch, dass wir Euch gehören.“ Deutschland, ja, Deutschland sei das Land, das als erstes Land erkannt habe, welches Potenzial in den Backstreet Boys stecke. Und dann sagt er – nein, bitte nicht – doch: „Make some noise.“ Es wird noch lauter. Der Tonmann dreht weiter am Ausgangspegel, so dass es nach 20 Minuten trotz aller Balladenseligkeit eines der lauteren Konzerte in der TUI Arena ist. Rock ’n’ Roll? Die Sektausschenker haben Pause.

Die Show, stellt sich heraus, hält sich in Grenzen an diesem Abend und kreist im Wesentlichen um die Präsenz des Quintetts. Bisschen dünn einerseits, andererseits sind die Fans genau deshalb hier. Dann lieber noch einen alten Hit, zur Abwechslung mal was zum Ausrasten: „We’ve got it going on“, eine der Temponummern im Programm.

Irgendwann spielen die Backstreet Boys selbst Instrumente, was in der Boybandbranche schon eine Meldung wert ist. Mehr jedenfalls als der grüne BH, der irgendwann am Mikro hängt. Kleines Akustikset, als ob es zu beweisen gelte, dass hier eine Band am Werk ist. Aber warum? Dann doch lieber singen, das ist nach wie vor ein Genuss, und wenn sie mal zu fünft wie die Eagles klingen wollen, dann tun sie das einfach. Aber es wird noch mal laut. Hüben wie drüben. Alle sind laut. Oder in diesem Fall: „Everybody“. Zwei Stunden netto. Dann Nostalgiemodus aus. Morgen ist Arbeit.

„Ihr wisst doch, dass wir Euch gehören“: die Backstreet Boys in Hannover.

Wallmüller

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