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Kestnergesellschaft zeigt Barbara Klemms Fotos, Andy Hopes Bilder und John Smiths Filme

Kompositorische und psychische Delikatessen

Hannover. Sie kann nicht anders, sie muss aktiv in das Bild eingreifen, das vor der Linse passiert: Künstlerporträts von Barbara Klemm – wer könnte da widerstehen? Das Erdgeschoss der Kestnergesellschaft präsentiert nun ihre Bilder. Für den Besucher ein Déjá-vu-Erlebnis, grüßen doch so viele alte Bekannte von den Wänden.

veröffentlicht am 07.03.2012 um 12:52 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Die Porträts von Künstlern und Schriftstellern sind – fast theatralisch formuliert – eine Sonde, die das Herz freilegt. Angesichts dieser Bilder fragt man sich: Hat sich die Fotowelt verändert, weil wir heute diese Dokumente nicht mehr in die Welt lassen, sie im Datensatz der Blackbox verstecken, als ob sie außerhalb der Welt läge?

Mit den Frontalansichten hat Barbara Klemm ihren eigenen Stil entwickelt. Die Menschen stellt sie in einen architektonischen Raum, ähnlich einer Bühne. Durch hinzugefügte Motive, Kunstwerke im Vorder- und Hintergrund, erreicht sie eine nicht eingeplante Beziehung ihres Modells zwischen zwei Bildrealitäten. Zum Beispiel Andy Warhol im Städel vor Tischbeins „Goethe in der Campagna“: der über alles erhabene Dichterfürst und mit dem Rücken zu ihm Warhol in der Wetterjacke.

Kompositorische aber auch psychische Delikatessen lassen sich nachvollziehen, wo Barbara Klemm Schriftsteller oder Künstler in ihrer vertrauten Umgebung, ihrem Arbeitsraum auf den Film bannte. Die Fotografierten haben sich damit der Öffentlichkeit preisgegeben: die Wienerin Friederike Mayröcker in ihrer Schreibhöhle, Thomas Bernhard in der Leere seines gekalkten Gewölbes, Fritz Klemm, dessen Atelier an ein Motiv mit Caspar David Friedrich erinnert, oder Simone de Beauvoir, verträumt vor ihrem großen Spiegel

Im oberen Stockwerk regiert die Farbe: Mit seiner Präsentation „Medley Tour by Andy Hope 1930“ verbindet der 1963 in München geborene Andreas Hofer die Erfolgsstory des Comics als Massenmedium mit dem zu frühen Abgesang der Suprematismus-Projekte und dem russischen Konstruktivismus. Dessen Erneuerung strebt Hope an. In der Ausstellung zeigt er im Spiel mit der Zeit in seinen Medleys einen neuen Höhepunkt: mit „Phantomen“, „Time Tubes“, „Espace de Voyage“.

Mit „Bildstörung“ wiederum fokussiert der Filmemacher John Smith (geboren 1952 in Walthamstow, East London), auf seinen Streifen, wie man das reibungslose Miteinander von Sprache und Bild, Ton und Bild effektvoll unterlaufen kann. Diese Spiele mit unterschiedlichsten Verfahren der Montage hinterfragen übliche Funktionsweisen des Films.

Bis 29. April, täglich außer montags von 11 bis 18, donnerstags bis 20 Uhr in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11, zu sehen.

„Medley 1“ heißt das Bild von Andy Hope 1930. Mit Acryl-Lack hat der Münrchner Künstler es auf Canvasboard gemalt.

Foto: Roman März



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