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Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“

Komödiantische Effekte retten vor Rührseligkeit

Hameln. Na, da können ja alle Übeltäter dieser Welt ganz beruhigt sein: Was immer sie anrichten, mit Buße und Reue am Ende ihrer Tage kommen sie gnädig davon. Und wer Geld gegen hohe Zinsen verleiht und gnadenlos zuschaut, wenn die Schuldner die Raten nicht bezahlen können, darf bei innerer Einkehr mit Gottes Gnade rechnen…

veröffentlicht am 24.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 09:21 Uhr

Jedermann (Holger Schwiers) und die Buhlschaft (Magdalena Kropiu

Autor:

Jürgen Schoormann
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Nein, dieses Stück geht heute gar nicht mehr, jedenfalls nicht mit diesem Schluss, der aller Erfahrung Hohn spricht. Die in ein künstliches Mittelalter-Deutsch gegossenen Verse, diese schlichte Moral, diese schwarz-weiß gezeichneten Figuren, das alles wäre schwer erträglich, wenn es nicht von einer so sympathischen und professionell agierenden Truppe wie dem Ensemble um Ellen Schwiers am Montagabend auf die Bretter des Theaters gebracht würde.

Es ist ein Verdienst der Regie (Ellen Schwiers und Katerina Jacob), dass „Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“, das Hugo von Hofmannthal 1911 in Zusammenarbeit mit Max Reinhardt schrieb, nicht in modernisiertem Gewand daherkam, sondern auf der Ebene der Allegorie angesiedelt blieb. Das zeigten die bunten, stilisierten Kostüme der Tischgesellschaft und die Anordnung einer zweiten Bühne auf der Bühne (Heidrun Schmelzer): Sie rückten das Geschehen in die Distanz.

Andererseits gab es Szenen, die den Zuschauer emotional berühren konnten. Das gilt für weite Passagen des Jedermann (Holger Schwiers), besonders für seine Abschiedsszene von seinem guten Gesellen (Thomas Ney), und für den Auftritt des Schuldknechts und seiner Frau (Frank Hangen und Sabine Urban).

Text mit Qualität einer schlechten Predigt

Einigermaßen penetrant geriet die Darbietung mit den Auftritten der „Werke“ (Sabine Urban) und des „Glaubens“ (Eva Röder). Das lag aber an dem Text, der hier die Qualität einer schlechten Predigt hat. Wie wohltuend, wenn dann komödiantische Effekte das Versinken in Rührseligkeit verhinderten: so die furiosen Auftritte des Teufels (Hagen Marks) und des Mammon (Frank Hangen).

Und Ellen Schwiers als Mutter des Jedermann und des Ensembles? Sie präsentierte ihren auch nicht gerade originellen Text mit Charme und genoss sichtlich zusammen mit ihrem Ensemble die Sympathie eines dankbar applaudierenden Publikums.



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