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Ulrike Wahren und Peter Stolle „auswärts“

Kollektives „Aaaaahhhhh“: „Around Christmas“ im Lalu

HAMELN. Längst „inwärts“ zuhause auf unserer Bühne – aber für „Around Christmas“ nun doch ausnahmsweise „auswärts“ im Lalu und die Traumfabrik als perfektes Asyl für Ulrike Wahren und Peter Stolle, die hier am Dienstagabend auf ihre so ganz besondere Weise auf Weihnachten einstimmten. So richtig „around“ mit stimmigen Texten, anrührend ohne sentimental zu sein. Wie Janusz Korczaks Rede zum Abscheid seiner Schüler – zu einer Reise, die nichts weniger als das Leben bedeutet. Korczak, der mit seinen Waisenkindern, die grüne Fahne vorweg, in den Tod ging.

veröffentlicht am 06.12.2017 um 15:59 Uhr

Peter Stolle und Ulrike Wahren stimmten auf ihre so ganz besondere Weise auf Weihnachten ein. Foto: eaw
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Autor

Richard Peter Reporter
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Vor allem aber – dennoch – Weihnachtslieder, wenn auch so anders als bei uns, wie sie in Kirchen so rührend gesungen werden. Hier rieselt selbst der Schnee nicht ganz so leise, wird zum emotinalen Kunstwerk. Wie getanzt. Fast alle Songs, jazzig, bluesig, swingend, als Gospel oder popig – und irgendwie immer auf der Showtreppe, auch wenn es die hier nicht gibt. Unbändige Lebensfreude – und dem liebenswerten Duo besonders hoch anzurechnen: auf ganz eigene, unsentimentale Art sentimental. Und die eigentlichen Songs – wie sie fast jeder kennt, wenn er schon einmal über einen Weihnachtsmarkt geschlendert ist – mit Intros und Zwischenspielen virtuos verfremdet und fast schon wieder sehr deutsch: Kunstlied, das allerdings weniger Kunst als Lust bedeutet. Freude am Spiel. Keine Koloraturen um der Koloratur willen – schlicht Spaß am Schnörkel, an Emotionen.

Von „Let it snow“ übergangslos zu „Winter Wonderland“ – brillant: „Santa Claus“, ein furioses Highlight und gefühlvoll „Mary did you know“ und von Ulrike Wahren die Rockröhre zugeschaltet und wie mit Reisnägeln gegurgelt. Faszinierend die Facetten, die hier alle Emotionen so kunstvoll wie einfach über die Rampe fluten – auch Peter Stolle, der immer wieder mit seinen Soli überrascht, aber dann, wieder zurückgenommen, begleitet und seiner Partnerin die Showbühne überlässt.

Was Hameln und die Lipper diesmal zusätzlich verbindet – auch wir hatten einen halben Tag lang Schnee, bevor wieder alles zu Wasser schmolz. Folklore aus Skandinavien – besonders eindrucksvoll „Det stralar en stjärna“ – „Es strahlt ein Stern vom Himmel“ – und natürlich „Go tell it on the Mountain“. Peter Stolle mit Harry Belafontes „Mary’s boychild“ und als Zugabe „White Christmas“ und das Lalu-Publikum als Chor. Und eine zweite Zugabe aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“.

Und zwischendurch liebenswerte kleine Geschichten wie die von der „Weihnachtsgans“, die so hinreißend „zärtlich schnattert“, das Duett mit der „kleinen Klangbrosche“ und Gitarre und der Stoßseufzer „I need a silent night“. Und immer wieder das kollektive „Aaaaahhhhh“ zur Entspannung.

Zwei Virtuosen, die so herrlich skeptisch und normal sind. Selbst Rilkes „Herbst“ mit „Die Blätter fallen“ – und meiner Lieblingszeile: „sie fallen mit verneinender Gebärde“ – einfach so, fast kunstlos. Und damit anders kunstvoll. Hoffentlich nächstes Jahr wieder am angestammten Ort, „inwärts“ im TAB.

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