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Körperlichkeit um ihrer selbst willen

Von Richard Peter

Hameln. Die lange Schlange an der Abendkasse täuschte – es hätten dann doch ein paar mehr sein können für die Philadelphia Dance Company am Samstagabend im Theater Hameln. Viel zu viele leere Plätze, die dennoch nicht verhindern konnten, dass das Ensemble geradezu frenetisch gefeiert wurde.

veröffentlicht am 03.10.2010 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:41 Uhr

kultur
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Von Richard Peter

Hameln. Die lange Schlange an der Abendkasse täuschte – es hätten dann doch ein paar mehr sein können für die Philadelphia Dance Company am Samstagabend im Theater Hameln. Viel zu viele leere Plätze, die dennoch nicht verhindern konnten, dass das Ensemble geradezu frenetisch gefeiert wurde.
 Szenenapplaus schon beim scherenschnittartigen Eröffnungsbild zu Ravels Boléro. Erotik pur – und nicht erst seit Bo Derek als die „Traumfrau“ dem Endlos-Hit zu Millionenumsätzen verhalf. Orgiastische Steigerung und zwölf Tänzer, die einfach Musik im Blut haben, in jedem Muskel – Rhythmus leben. Faszinierende Bewegungsabläufe dieser 2009 entstandenen Choreografie von Christopher L. Huggins mit einer Company, der technisch alles in Perfektion zur Verfügung steht. Die das klassische Ballett beherrscht und natürlich alle Formen des Modern Dance. Sie sind eben schon etwas Besonderes, diese Philadelphia Dancers.
 Auch in ihrer neuen Choreografie „By Way Of The Funk“ von Jawole Willa Jo Zollar – von den Strawberry Hills über Bill Haley eine kleine musikalische Zeitreise, die in einer überbordenden Party gipfelt, mit der sich das Ensemble und vierzig Jahre „Philadanco“ feiert. Eine faszinierende Show, deren Musik immer wieder einmal aussetzt – und tonlos weiter getanzt wird. Rhythmus, der über die Töne wegträgt. Der eigentlich keine Töne mehr braucht.
 Dann, nach der Pause „Elegy“ zur Musik von Ralph Vaughan Williams. Streicher-Orgien – nicht eigentlich aufregend, aber ideal für neue Bewegungsabläufe dieses besonderen Ensembles. Viel Klassik-Anleihen und immer wiede die gute alte Arabesque als Ausgangspunkt dieses bereits 1984 von Gene Hill Sagan choreografierten Klassikers im Jubiläumsprogramm der Truppe.
 Und dann „Enemy Behind The Gates“ – als abschließende Klammer des Abends – noch einmal eine Art „Bolero“, wieder choreografiert von Christopher: L. Huggins. Doch so ganz anders, moderner, differenzierter – aber ähnlich obsessiv. Ein Rhythmus (Musik: Steve Reich), der einen hineinzieht, gefangen nimmt, mitreißt. Expressiv ausgetanzt. Keine Geschichte auch hier, Tanz als Bewegung und Männer in Arrangements, wie sie sonst nur bei Paaren zu erleben sind. Körperlichkeit um ihrer selbst willen. Tanz, der über den Ausdruck hinaus, fesselt. Immer schneller, hektischer, zwingender – eine furiose Steigerung – die plötzlich abbricht.
 Jubel des Publikums, das mit einer kleinen Wiederholung des letzten Teils, für seine Begeisterung belohnt wird. Und immer wieder umwerfend, mit welcher Perfektion getanzt wird. Und das in atemberaubendem Tempo. Und dazu eine Licht-Regie, die einen immer auch an Lyoel Feiningers Bilder denken lässt in ihren geometrischen Lichtsegmenten.
 Ein Ballett-Abend der Sonderklasse.



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