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Cimarosas Meisterwerk „Die heimliche Ehe“ mit ganz jungen Sängern der „Opera Viva“ aus der Mozartstadt Salzburg

Knallbunt und erfolgreich auf Chaos pur gebürstet

Hameln. Es geht drunter und drüber und auch das Bühnenbild suggeriert: Chaos pur. Schräg, was nur alles schräg sein kann, drehend für verdreht und das Ganze eine Art dörflicher Tanzboden oder auch bescheidene Zirkus-Arena, vollgestellt mit Türen – und rundherum bespannt mit Folie voller Farbflecken, als wäre ein Jackson Pollock gerade vorbeigekommen. Action Painting. Das alles Spielort für eine liebenswerte Opera buffa, eingeklemmt zwischen Mozart – an den sie nicht heranreicht – und Rossini, der es ebenfalls noch ein bisschen besser konnte. Unvergänglich dennoch, Cimarosas „Die heimliche Ehe“, im Februar 1792 in Wien mit triumphalem Erfolg uraufgeführt. Da lag Mozart keine drei Monate, namenlos, im Massengrab.

veröffentlicht am 07.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:41 Uhr

Autor:

Richard Peter
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Ein bisschen nach dem Motto „Wat de Buur nich kennt...“ und wahrscheinlich auch wetterbedingt: Der Resonanzboden Publikum bestand am Freitagabend im Theater Hameln aus vielen Lücken. Schade, denn das junge Ensemble der „Opera Viva“ aus Salzburg überzeugt nicht nur mit Jugend und frischen, unverbrauchten Stimmen – die Absolventen der Universität Mozarteum sind bereits Könner, denen nur eines fehlt: Bühnenerfahrung – und genau die sollen sie bei diesen Tourneen erwerben.

Das Libretto von Giovanni Bertrati – auch wenn es andere Quellen hat – lehnt sich an die Commedia dell’arte an mit ihren festgelegten Figuren. Papa Geronimo, ein reicher, sehr reicher Kaufmann mit zwei Töchtern und dem Drang nach Höherem, will via Nachwuchs endlich Anschluss zu Adelskreisen. Töchterchen Elisetta soll einen Grafen heiraten – und der ist auch schon unterwegs. Nur: erstens kommt es, wie schon unser Busch wusste, anders und zweitens als man denkt, denn der Conte sieht Carolina und will prompt von ihrer Schwester nichts mehr wissen. Kein Problem, gäbe es nicht doch noch eines, dass nämlich Carolina bereits verheiratet ist. Heimlich, wie es beziehungsvoll im Titel heißt.

Darum geht es knapp drei Stunden lang mit affenartigem Tempo, auch wenn das von Takeshi Moriuchi am Pult ziemlich gedrosselt wurde – und damit auch etwas vom Pfiff, vor allem in den Ensembles und den furiosen Finali, verloren ging.

Bezaubernd die beiden Schwestern, Johanna Baier als zickige Elisetta und Uliana Maximova als liebes Naivchen Carolina, die ein bisschen Rossinis „Cenerentola“ (Aschenputtel) vorwegnehmen. Irene Edelsbacher als ältere Dame Fidalma und Schwester des Hausherrn, die in der Regie von Hermann Keckeis ziemlich überdreht agiert, vor allem dann, wenn sie nichts zu singen hat.

Auch der an und für sich hübsche Einstiegs-Gag, das heimliche Ehepaar als zwei Handpuppen einzuführen, verliert schnell an Reiz, da hätte die Regie zwischendurch auf „echt“ schalten müssen.

Norbert Steidl als Geronimo, auch hier ein Junger, der das grauweiße Haar erspielen muss, mit sicherem Bass, aber auch er verzappelt. Bleiben noch der Conte von Maxim Matiuschenkov, der gepflegt singt und Kratzfüße am Laufmeter produziert und schließlich der heimliche Bräutigam Paolino (Yiming Zhong) mit kräftig-schönem Tenor, der allerdings zum Näseln neigt.

Eine knallbunte Aufführung, die der Opera buffa gibt, was sie durchaus verträgt – vor allem eines: Jugend, Spiellust und Wärme. Und das, mitten in frostigen Zeiten.

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