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In der Staatsoper Hannover wird Verdis „Macbeth“ als bürgerliches Ehedrama inszeniert

Klein gemacht, was nur groß gelingen kann

Hannover. Ein solistisches „Buh“-Fortissimo – nahtlos an Verdis letzten „Macbeth“-Takt angehängt – beendete am Samstag in der Staatsoper das Melodramma in quattro atti. Vermutlich war Oper früher insofern schöner, als sich Regisseure noch ohne psychologische Verrenkungen auf die Musik und deren eigene Psychologie verließen. So erlebt das Publikum Macbeth mit seiner Lady als neckisches Liebespaar – das sich auf der Bühne begrapscht, wie man es vermutlich nie täte, wenn niemand zuschaut – während die Musik bereits ganz andere Probleme hat und so gar nichts frühlingshaft Sinnliches verströmt. Eine Spielidee, die nichts bringt, einem die Ouvertüre verhunzt und schlicht lächerlich wirkt – auch die niedliche Scherenschnitt-Romantik, die so gar nichts mit der Archaik von Shakespeares Drama zu tun hat.

veröffentlicht am 01.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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„Die Welt ist ein Schlachthaus“ heißt es da nämlich. Und das ehrgeizige Pärchen – das es zu Königswürden bringt – als Schlachter. Kein Fall für den Eheberater. Woran es aber vor allem hapert bei diesem hannoverschen „Macbeth“ – der übrigens am 23. Dezember 1850 im Laves-Bau die deutsche Erstaufführung erlebte: Brigitte Hahn als „Blut-Lady“, die sich so bemüht, tiefe Farben und Härte in die Stimme zu bekommen – Verdi verlangte „…alles, nur nicht schön singen“ – ist nun mal der Typ Engel und nicht Diabolo. Wo Dämonie gemeint ist, steht mit ihr Trotzköpfchen auf der Bühne. Das ist nicht die Frau, die aus Ehrgeiz mordet oder mit ihrer biederen Hausmütterchen-Aura Angst einflößen könnte. Und ganz ähnlich geht es einem auch mit Brian Davis als Macbeth. Beides hervorragende Sänger – aber nicht in Verdis Mord-Oper. Stimmlicher Glanzpunkt der Aufführung – was bereits viel besagt: Shavleg Armasi als Banco, der seinen in allen Lagen so flexiblen wie ausdrucksstarken Bass einsetzen kann, während der einstige Tenor-Star der Bühne, Latchezar Pravtchev, nur noch ein Schatten seiner selbst ist. So schwach dürfte in Hannover der Macduff nicht gesungen werden.

Bleibt der Chor – auch er Hauptfigur des Dramas – der stimmlich brilliert und als Regieeinfall immer wieder Plakate und Handzettel mit dem königlichen Konterfei zerfetzt, in den Mund stopft und rechtzeitig auskotzt, wenn wieder gesungen werden soll. Und natürlich Lutz de Veer mit dem klangstarken Staatsorchester, der sich wenig um Psychologie kümmert und Verdi spielt, klar, eindeutig und effektvoll.

So beeindruckend Frank Hilbrichs „Simplizissimus“-Inszenierung – auch schon wieder zwei Jahre her – sein „Macbeth“ macht klein, was nur ganz groß gelingen kann. Der imaginierte Blutfleck, der die Lady in Wahnsinn und Tod treibt, will verzweifelt gerubbelt sein, dass es wehtut. So ein bisschen Händeabtrocknen bleibt – wie die ganze Inszenierung – weit hinter Verdi und Shakespeare zurück.

Die weiteren Termine: „Macbeth“ gibt es wieder am 6. und 26. Februar in der Staatsoper Hannover.

Macbeth (Brian Davis) und Lady Macbeth (Brigitte Hahn).

Foto: Jörg Landsberg



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